#SPI Mission nürnberg

Planen mit einer SPI Mission in Nürnberg mehr Frohsinn und Lebensfreude nach Franken zu bringen: Novizin Colora, Gardist Francesco und Gardist Henry (von links)

Amt für Lebensfreude

Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz (SPI) sind seit 40 Jahren in der internationalen LGBTTIQ*-Community aktiv. Es gab in den letzten Jahren einige gescheiterte Versuche, eine Mission Nürnberg aufzubauen. Als einzelne Person ist das eben nicht zu schaffen. Doch jetzt formiert sich eine echte Keimzelle aus drei engagierten Männern mit fränkischen Wurzeln. Mit ihrem Ziel, Frohsinn und Lebensfreude dauerhaft auch oberhalb des Weißwurstäquators (Donau) in das nordbayerische Staatsgebiet zu bringen. GAYCON sprach mit Novizin Colora Subcutana AEtena, Gardist Henry und Gardist Francesco Felatio im Nürnberger Szenelokal Cartoon.

 

Jeder kennt die ehrenamtlichen Schwestern mit ihrem auffälligen Ornat von den CSD-Demonstrationen oder anderen Community-Events. Auf ihrem weiß grundierten Gesicht, das an den Tod durch AIDS erinnern soll, stehen die farblichen Akzente symbolisch für das Leben und die Freude. Neben Aufklärung über sexuell übertragbare Krankheiten und Sammeln von Spendengeldern für die örtlichen AIDS-Hilfen oder für andere Community-Belange wie queere Flüchtlinge, haben sie auch ein Ohr für Fragen und Sorgen der einzelnen Menschen. Mit 14 aktiven Mitgliedern gehört die Abtei „Bavaria“ zur Glückseligkeit des Südens mit Hauptsitz in München zu einem der größten SPI-Standorte in Deutschland. Nachdem im Jahr 2019 zahlreiche neue Christopher-Street-Days in vielen kleinen Provinzstädten aufblühten und die Tendenz 2020 nicht nachlassen wird, kann die Menge an Terminen nicht mehr nur zentral aus dem Stammhaus München organisiert werden. Vor allem, weil grundsätzlich zu jedem Einsatz idealerweise mindestens zwei SPI-Mitglieder unterwegs sein sollten. Sie haben zwar überdurchschnittliche 98 Prozent an positiven Erfahrungen, aber der Sicherheitsaspekt wird trotzdem ernst genommen. Deshalb ist ein der Community naher Standort in der Frankenhauptstadt so wichtig, weil die Wegzeiten sich dadurch massiv verkürzen. „Wir drei haben uns zur Aufgabe gemacht, die Mission Nürnberg auszubauen, um die Communitys im Frankenraum mit Lebensfreude zu beglücken. Wo wir gebraucht werden, wollen wir Präsenz zeigen. Wir sind für alle da, egal ob für unsere LGBTTIQ*-Community oder Heteros. Wir gehen auf die Menschen zu und möchten jeden ansprechen“, betont Francesco. „Wir wollen auch das Interesse an der Ausbildung zur SPI-Schwester oder zum Gardisten wecken und begleiten. Die Ausbildung dauert in der Regel ein bis zwei Jahre. Das Ehrenamt ist auf Lebenszeit ausgerichtet. Es frisst zwar viel Freizeit und auch finanzielle Mittel für Ausrüstung, Make-up sowie Reisekosten, aber das Amt gibt Spaß und Freude zurück.“ Darüber hinaus ist die Arbeit bei den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz allen Gendern offen! Egal ob Frauen, Transsexuelle oder Heteros, alle können mitmachen. Zentral geht es um die Verbreitung universeller Lebensfreude, Präventionsarbeit, Aufklärung, Spendensammeln und Verteilen von Info-Broschüren. „Durch das Amt steigt die innere Lebensfreude. Für mich ist es ein erfolgreicher Tag, wenn ich einen Menschen zum Lächeln gebracht habe“, betont Novizin Colora, die vom Mister zur Sister wurde. „Ich war vor einigen Jahren in der Fetisch-Lederrolle des Bavarian Mister Leather. Dort habe ich die Arbeit der Schwestern kennengelernt. Ich wollte nach meinem Mister-Amt weiter ehrenamtlich für die Community tätig sein. Das bunte Gesicht ist jetzt eine ganz andere Rolle. Es ist femininer, aufgeschlossener und greifbarer, die Community reagiert ganz anders. Die Kommunikation ist intensiver, weil die Hemmungen gegenüber der Leder-Schärpe nun entfallen. Die Kunstfigur erdet, man wird sogar zum Seelsorger.“ Außerdem wünschen sich die drei, dass die Community enger zusammenarbeitet. Ihnen ist auch aufgefallen, dass die jüngere Generation noch viel Aufklärungsbedarf hat, trotz des allgegenwärtigen Smartphones in der Hand. „Es sind an die 100 Manifestationen, wie wir unsere Einsätze nennen, im Jahr. Aber wir machen das gerne. Natürlich muss die Zeit mit dem beruflichen Hauptjob vereinbar sein. Wichtig ist auch eine funktionierende Partnerschaft im Privatleben. Oft unterstützt der Partner das Engagement im Hintergrund, und sei es als ‚Taxi‘-Fahrer“, grinst Francesco, der mit seiner HIV-Positiv-Situation gleichzeitig zur Aufklärungsarbeit und zum Vorurteilsabbau beitragen möchte.

Das Nürnberg Team betont, dass sowohl SPI - als auch Gardistenamt für alle Gender offen sind!

Mehr als Beschützerrolle

Die Gardisten haben bei der Perpetuellen Indulgenz die ursprüngliche Rolle der Beschützer, wie die Schweizer Armee für den Papst im Vatikan. Gardisten entstanden bei den SPI in Toronto, weil es dort Übergriffe gab. Sie sollen z.B. den Weg durch große Menschenmengen bahnen. Inzwischen hat sich aber die Ansicht gewandelt und in vielen Häusern, besonders in Europa, sind die Gardisten bei den Aufgaben den Schwestern gleichgestellt. „Wir sind aktuell nur zu zweit, Gardisten sind sehr rar innerhalb der SPI. Es ist schade, oft als einziger ‚Mann‘ zwischen den Schwestern bei den Einsätzen mitzulaufen. Es gibt einfach zu wenig Vorbilder“, betont Francesco nachdenklich. „Wir wollen Mut machen, die Ausbildung zum Gardisten zu absolvieren. Es wäre toll, wenn noch mehr mitmachen würden, egal ob hier in Nürnberg oder München.“ Hinter der bunten Gesichtsmaske voller Freude und Fröhlichkeit für die Anwesenden und zahlreiche Foto-Schnappschüsse, versteckt sich noch ein tieferliegender zwischenmenschlicher Aspekt. Das etwas trashige Outfit lenkt im ersten Moment davon ab. Denn oft werden sie auch als Seelentröster innerhalb der Community gebraucht. „Vor einiger Zeit gab es eine TV-Sendung mit einer SPI-Schwester und einer Nonne, mit dem Plan einer kontroversen Diskussion für die Fernsehzuschauer. Doch die Nonne war begeistert von der Arbeit und sah sie alle als ebenbürdige Schwestern an. ‚Wir können nicht so wie wir wollen‘, war deren Aussage“, berichtet Corola. „Und wir SPI machen eben da weiter, wo die Kirche nicht hingeht.“ Die Abtei Bavaria bekommt auch viel begeisterte Post und Dankesbriefe für die Arbeit der Schwestern. Unter anderem von schwulen Mönchen, die es nicht einfach haben, in einem kirchlichen Orden zu leben. Der Briefsatz „Ihr habt mein Leben gerettet“ war natürlich für alle sehr emotional.

Präventionsarbeit mit den AIDS-Hilfen vor Ort gehört dazu

Privatleben & Wünsche

 

Die Auswirkung des ehrenamtlichen Engagements spüren die Mitglieder bis ins Privatleben. Viele erleben persönlich, wie kraftvoll die regelmäßige Ausübung des Segenkreises den eigenen Körper puscht. Nachdem die Manifestationen beendet sind, werden damit nochmal alle Eindrücke des Tages verarbeitet. „Privat agiere ich inzwischen ganz anders als vorher. Zum Beispiel gehe ich mit Hass und Hetze jetzt viel gelassener um“, bemerkt Francesco. „Ich bin froh und glücklich über den Schritt, mit dem Orden unsere Community zu unterstützen. Ich würde es sofort wieder machen!“ Ziel von Colora, Henry und Francesco ist nun, eine SPI-Mission Nürnberg aufzubauen und damit die queere Community in Franken zu stärken. „Unser positives Statement ist, dass wir alle zusammen an einem Strang ziehen“, betont Francesco und wünscht sich deshalb auch mehr Vernetzung innerhalb der LSBTTIQ*-Community. „In erster Linie sind wir Menschen und sitzen alle im selben Boot.“

 

Text/ Fotos: Norbert Kiesewetter

GAYCON Februar 2020

 

Kontakt: Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz freuen sich über tatkräftige Interessierte! Abtei "Bavaria" zur Glückseligkeit des Südens  

Das SPI-Team Nürnberg mit dem amtierenden Bavarian Mister Leather Stefan
"Aktionsplan Queer für Nürnberg": Verena Osgyan, Uschi Unsinn und Tessa Ganserer (von Links)

AKTIONSPLAN: Am zweiten Februar-Freitag wurde der „Aktionsplan Queer für Nürnberg“ in den Räumen von Bündnis90/ Die Grünen vorgestellt. OB Kandidatin Verena Osgyan (MdL), Uschi Unsinn (Uwe Scherzer, Stadtratskandidat & Polit Draq Queen) und Tessa Ganserer (MdL) wollen damit für mehr Akzeptanz und Vielfalt in der Stadt der Menschenrechte sorgen. Die vielen Initiativen der queeren Community sollen damit von Seiten der Stadt Nürnberg umfassend und intensiv Unterstützung finden. Die schon existierende queere Koordinierungsstelle soll ausgebaut werden und eine federführende Rolle in der Fachberatung der Dienststellen erhalten. Ein zentrales Regenbogen-zentrum stellt die queere Infrastruktur auf neue Füße ... Zum vollständigen Bericht auf der DOKU-Seite

"Archiv der anderen Erinnerung": Daniel Baranowski (Mitte), Christina Rauch (links) und Cristine Burmann.

ERINNERUNGEN: Projektleiter Daniel Baranowski stellte das „Archiv der anderen Erinnerung“ der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld am zweiten Februar-Donnerstag in der Nürnberger C.Rauch’schen Buch-handlung vor. Es umfasst lebensgeschichtliche Videointerviews von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgender, Inter und queeren Menschen (LSBTTIQ) aus der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik von 1930 bis heute. ... Zum vollständigen Bericht auf der DOKU-Seite

#Partyticker

Freitag 28. Februar:

18:00 Schaumparty - Achilleus Men´s Spa & Sauna

Samstag 29. Februar:

20:00 2. Fetish Pub Crawl Nürnberg - Treffpunkt Café Bar Cartoon (An der Sparkasse 6) // 23:00 Pink Nugget - Golden Nugget Club

Bamberg: 22:00 Planet Pink - 10 Jahre - Sky

Samstag 07. März:

21:00 In the Mix mit DJ Romeo - Café Bar Cartoon (An der Sparkasse 6) // 21:00 NLC Keller Party - Dresscode! Men only! - Vereinskeller (Schnieglinger Str. 264) // 23:00 Pinkmonkeys.Club - Haus33

Würzburg: 23:00 Popular - Chambinzky

Samstag 14. März:

23:00 Gaysome - Basement 11

Freitag 20. März:

21:00 U33 & Friends WarmUp Fetisch Party - NLC-Keller (Schnieglinger Str. 264)

Erlangen: 22:00 Rosa Freitag - E-Werk Erlangen

Würzburg: 22:00 Gay.Volution - Zauberberg

Samstag 21. März:

16:00 Techno Church - u.a. mit Pinkmonkeys.Club - LUX Junge Kirche Nürnberg // 21:00 U33 Feitsch Party - NLC-Keller (Schnieglinger Str. 264)

Freitag 27. März:

19:00 Ugly 80er Party - Bert´s Bar (Wiesenstr. 85) // 20:00 Vorabend-treffen Schlampenfest - Café Bar Cartoon (An der Sparkasse 6)

Samstag 28. März:

22:00 Schlampenfest - Nachtcafé Planet Earth

+++++++ Termine an info@gaycon.de

After-Faschingszug-Party - La Bas
Faschingsparty - Savoy Bar

#TV-TIPPS

+++ 26.02. KINOWELT TV 20:15 Tropfen auf heiße Steine - Spielfilm // 23:50 BR Familie Jones - Zu perfekt, um wahr zu sein - Spielfilm +++ 27.02. KINOWELT TV 18:50 Abendanzug - Spielfilm // 23:30 ARTE Mut zur Liebe (1) - Serie // 00:20 Mut zur Liebe (2) - Serie // 01:15 Mut zur Liebe (3) - Serie +++ 28.02. KINOWELT TV 02:00 Milk - Spielfilm +++ 29.02. ONE 21:40 Cloud Atlas - Spielfilm // 22:10 SAT.1GOLD Der letzte Bulle: Im Schatten von Feng Shui - Krimi +++

Queere Faschingsparty - Café Bar Cartoon
Dinner Tennisturnier - Restaurant Literaturhaus

#Vorschau:

Konferenz in Nürnberg u.a. mit Tessa Ganserer, Margarete Bause & Gülseren Demirel (Fotos: Tanja Elm/ Thomas Köhler/ Stefan M. Prager)

Konferenz

Am Samstag den 14. März 2020 veranstaltet Tessa Ganserer MdL die zweite queerpolitische Regional-konferenz, diesmal zu den Themen Menschenrechte, Asyl, Integration und Migration, im Nürnberger Stadt-teilzentrum Villa Leon (Schlacht-hofstraße/ Philipp-Koerber-Weg 1). Zur Situation queerer Geflüchteter weltweit und in Deutschland. Ab 11:00 Uhr werden folgende Gäste berichten und an Diskussionen teilnehmen: Margarete Bause MdB, Gülseren Demirel MdL, Christian Awhan Hermann (Imam Berlin), Julia Bomsdorf (Lesbenberatungsstelle LeTra München), Meghan Gregonis (Generalkonsulin der USA München), Kasha Jaqueline Nabagesera (Nürnberger Menschenrechtspreis 2013, Uganda), Cameron Kakande (Queer-Aktivist Uganda), Christine Burmann (LGBTI-Koordinatorin Nürnberg) und Michael Glas (Fliederlich e.V. Nürnberg). Die Konferenz will vernetzen, austauschen und Kräfte aktivieren. Interessierte können dabei sein! Infos und Anmeldung über Grüne Fraktion Bayern

CSD Nürnberg am 01. & 2. August 2020

CSD Nürnberg

CSD Nürnberg Motto 2020: „Queer Europe - kein Schritt zurück!“ Deutschland und Europa ist bunt - überall in allen EU-Ländern - und das muss so bleiben und noch viel weiter wachsen! Darum gilt es weiter zu kämpfen für LGBTTIQ* hier und in Europa! +++ Termin: Samstag 01. & Sonntag 2. August 2020 Chistopher-Street-Day in der Frankenmetropole Nürnberg +++

#Männerpaar des Monats:

GAYCON Titelmodels Charly & Tom - Februar 2020 - Fotoshooting auf dem Silberbuck/ Dutzendteich

Unsere GAYCON Titelbilder sollen das selbstbewusste queere Stadtleben der Frankenmetropole widerspiegeln.  Von 18 bis 99 geben wir allen queeren Paaren (Beziehung, Freunde, Kumpels etc) oder Einzelpersonen aus der Region die Möglichkeit, einmal Titelpaar/ Person des Monats zu sein und jedes Jahr im April an der MR & MISS WAHL teilzunehmen. Das Outfit passen wir immer der Jahreszeit an.

Habt Ihr Lust, mal dabei zu sein? Bewerbt Euch mit Foto per E-Mail unter info@gaycon.de, über gaycon.de Facebook oder Ihr sprecht uns persönlich an.

Vielen Dank an meine Freunde, die sich in Form eines Inserats bzw. einer Publikation an den Gestaltungskosten für diese Website beteiligen und sie damit ermöglichen!

GAYCON-Aufrufe seit Start 07.02.2011

GAYCON-Aufrufe seit dem 01.02.2020

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