#Gedenken an verstorbene mitglieder der Community

Chronologisch von oben nach unten: Ellen Lang (2019), Ralph Hoffmann (2018), Ulrich Stratica (2017), Peter Schneider (2016), Jürgen Wolff (2014), Walter Meyer (2014)

Auf der Gedenkseite soll an die verstorbenen Mitglieder der Nürnberger Community gedacht werden, die großen Anteil an der Entwicklung der Szene hatten. Ohne diese Ur-Gründer gäbe es in der Frankenmetropole nicht die heutige QUEERE Vielfalt.

Zauberhafte Drag Queen Ellen Lang

Zauberhafte Erinnerungen

Die Community in der Metropolregion Nürnberg trauert: Der Fürther Entertainer und Moderator Bernhard Weibel, in dieser Rolle den meisten unter seiner Künstleridentität Drag Queen Ellen Lang bekannt, ist am 26. November 2019 nach langer schwerer Krankheit mit Alter von nur 50 Jahren verstorben. Verwoben war die ellenlange Ellen ganz eng mit der queeren Community Nürnberg. Sein Coming out hatte Bernhard Weibel Anfang der 1990er Jahre nach dem Besuch des CSD in Nürnberg: Beim vermutlich ersten öffentlichen Auftritt als Ellen Lang. Mit seinen außergewöhnlichen Kostümen, die er zum Teil selbst entworfen hatte, stöckelte er als Diva Ellen mit ihren zwei Metern Größe sofort in die Herzen der Szene. Fortan moderierte sie z.B. viele Male den CSD Nürnberg Sonntag am Hans-Sachs-Platz in den 90er Jahren und die Lesben- und Schwulen Gala von Fliederlich im Künstlerhaus, sowie die legendären jährlichen Benefiz-Fußballturniere vom Rosa Panther auf der Deutschherrnwiese in den 2000er Jahren. 2004 zog Bernhard mit seinem damaligen Partner nach Fürth. Neben vielen Publikationen schrieb Ellen unter anderem in den Jahren 2011/12 auch für das queere GIFT-Magazin ihre zauberhafte Kolumne. Uns bleibt sie mit ihren außergewöhnlichen Outfits und ihrer stets guten Laune in heiterer Erinnerung, vor allem von den zahlreichen CSD Nürnberg Straßenfesten, Demonstrationszügen und Gala-Moderationen. Als Ellen trat Bernhard speziell in der queeren Community in den letzten sechs Jahren so gut wie nicht mehr auf, höchstens als „Privatmann“ im Publikum z.B. zur Rosa Trachtennacht auf dem Nürnberger Volksfest, unerkannt von den meisten Besuchern. Aufgewachsen ist Bernhard Weibel in Gladbeck. Er absolvierte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, danach arbeitete er bei einem Herrenausstatter in München. Sein beruflicher Werdegang führte ihn zuletzt zu einer IT-Beratungsfirma, wo er in leitender Funktion beschäftigt war. Im Oktober 2009 traf Bernhard seine ehemalige Schulkollegin aus der Gladbecker Jugendzeit wieder. In einem persönlichen Gespräch mit uns zeigte er sich sehr glücklich darüber, auch diese Seite in sich erleben zu dürfen, er strahlte förmlich vor Lebensfreude. Sie heirateten 2017.

Ellen Langs Verbindung zum Fürther Stadttheater begann 2006 mit einer Produktion der Pocket Opera Company. Nach der Moderation der Bayerischen Theatertage 2007 blieb die enge Verbindung zum Haus in der Kleeblattstadt bestehen. Jährlich moderierte sie z.B. deren Theaterfeste am Hallplatz, zum letzten Mal 2018. Die Trauerfeier für Bernhard alias Ellen fand am 14. Dezember 2019 im Foyer des Fürther Stadttheaters unter dem Motto „Das Leben ist bunt“ statt. Ausdrücklich war farbige und glitzernde Kleidung erwünscht.

 

NK/ GAYCON Dezember 2019

 

Quelle: FürthWiki

Ralph Hoffmann, Politiker & Aktivist

Danke, Ralph!

Die Nürnberger Community trauert. Ralph Hoffmann, der leidenschaftliche Politiker, der unbequeme Aktivist, der nie ein Blatt vor den Mund nahm, der hilfsbereite Freund und Wegbegleiter, hat uns am 23. Juni 2018 für immer verlassen. Er selbst wünschte sich eine Abschiedsfeier im Fliederlich-Zentrum, im Rahmen enger Weggefährten, Vertrauter und Mitstreiter. Diese letzte Bitte wurde von zahlreichen Helfern, koordiniert durch Uli Breuling und Micha Glas, am ersten Juli-Samstag 2018 erfüllt. Es kamen rund 70 Gäste zu einem ebenso heiteren, nachdenklichen wie würdevollen Abschied von einem stets aufrichtigen Menschen, der Gegner akzeptieren konnte, ohne sie als Feinde zu sehen. Es ist schwer vorstellbar, dass es eine einzelne Person geben könnte, die Ralphs Einsatz nicht nur für unsere Szene adäquat ersetzt. Bleibt uns nur, sich ihn als Vorbild zu nehmen dafür, unsere erreichten Werte zu bewahren und auszubauen.

 

Stimmen bei der Abschiedsfeier

In Gedenken an Ralph Hoffmann: Christine Stahl & Dieter Barth

Christine Stahl

Ralph war ein aufrichtiger ehrlicher Mensch mit Rückgrat, wie man sie heute nicht mehr so häufig erlebt. Man konnte ihm sagen, was man denkt, ohne dass er einem das jemals übel genommen hat. Ein hervorragender Diskussionspartner.

 

Dieter Barth

Ralph war von Anfang an CSD-Begleiter, stand einem in politischen Fragen immer beratend zur Seite. Ein hochengagierter Mann, dem die Szene viel zu verdanken hat. Er reagierte manchmal aber auch stur und kompromisslos.

In Gedenken an Ralph Hoffmann: Bastian Brauwer & Verena Osgyan

Bastian Brauwer

Ralph war immer geradeheraus mit seiner Meinung. Er war sehr prinzipientreu, konnte bei streitbaren Themen seinen Standpunkt begründen. Er war immer auf der Suche nach neuen Ideen und Aufgaben.

 

Verena Osgyan

Ralph war lange Zeit mein engster politischer Weggefährte, ein begnadeter Aktivist. Er war immer präsent und überall engagiert. Ein hervorragender Redner und Gastgeber, der auch meine Leidenschaft für gutes Essen geteilt hat. Ich vermisse ihn sehr.

In Gedenken an Ralph Hoffmann: Thomas Köppel & Sigfried Strassner

Sigfried Strassner

Ralph kannte ich schon seit Fliederfunkzeiten. Ein streitbarer Mensch, der zu seinen Überzeugungen stand und auch Konsequenzen zog. Ein geradliniger Genussmensch, der aber auch sehr empfindsam und herzlich war, mit einem feinen Humor.

 

Thomas Köppel

Ralph kannte ich seit über zwanzig Jahren. Er war nie verletzend, immer feinsinnig humorvoll. Er setzte aber auch seinen Kopf durch. Ansonsten schließe ich mich der Ausssage von Sigi an.

Stationen

Als Politiker aktiv war Ralph Hoffmann von 2003 – 2014 bei den Nürnberger Grünen, in den letzten Jahren als Kreisvorsitzender. Kaum jemand war derart umfassend und vielseitig über Dekaden hinweg mit unserer Szene vernetzt, wie Ralph es gewesen ist. Das belegen unter anderem die zahllosen Reaktionen und Kommentare in den sozialen Medien, die zu seinem Abschied zu lesen waren. Wie beispielsweise vom CSD-Verein, persönlich von Uschi Unsinn oder von den Mitgliedern der Partei mut, die er selbst mitgegründet hatte. Eine der intensivsten Verbindungen bestand sicherlich zum Verein Fliederlich e.V. Dort wirkte er als langjähriges Vorstandsmitglied, Mitinitiator des Arbeitskreises Politik und als jahrzehntelanger Kämpfer für die Gleichstellung von LSBTI. An dieser Stelle ein auszugsweises Zitat von Vorstandschaft und Geschäftsführung: „Wir müssen mit ihm einen Menschen gehen lassen, der für die Emanzipationsarbeit in Nürnberg (und darüber hinaus) viel bewegt hat. Beispielhaft sei an die Anfänge der Überzeugungsarbeit vor über 15 Jahren für ein Denkmal für die homosexuellen Opfer des Nazi-Regimes sowie den Beginn der Aufarbeitung von deren Schicksalen hier in Nürnberg erinnert. Als in dieser Zeit die Idee entstand, Kontakte mit (damals noch) schwul-lesbischen Organisationen in Nürnbergs Partnerstädten zu knüpfen, war er mit Begeisterung dabei. Viel früher bereits, in den späten 80er Jahren, hat er als einer der Gründer des „Fliederfunk“, den heutigen Radiogays, viel für die Sichtbarkeit schwullesbischer Belange getan. In den letzten Jahren hat er sich mit großem Einsatz an der Fliederlich-Geflüchtetenarbeit beteiligt, ein Themenfeld, das ihm auch persönlich besonders am Herzen lag. Aufgrund seiner Gesundheit, um die es schon seit Jahren nicht zum Besten stand, hatte er sich entschieden, sein Vorstandsamt in diesem Frühjahr zu beenden. Er hat es sehr bedauert, nicht mehr in dem Maße die Dinge mitgestalten zu können wie er es gerne tat – still zuschauen war nie seine Sache. Im Frühjahr hatte er befürchtet, den Umzug in die neuen Räume womöglich nicht mehr zu erleben. Umso mehr hat es ihn gefreut, bei der Eröffnung Anfang Mai dabei sein zu können. Die ‚Sitzweil‘ am 16. Juni an unserem Menschenrechtsbaum im Stadtpark war eines der letzten Projekte, das er bei uns maßgeblich mitgestaltet hat. Er hatte sich so gewünscht, mit den vielen anderen, die diesen Nachmittag genossen haben, daran teilnehmen zu können. Das war ihm leider nicht mehr vergönnt.“

 

NK/ GAYCON Sommer 2018

Gedenkfeier Ralph Hoffmann im Fliederlich Zentrum, 07. Juli 2018

Ulrich Stratica, ehem. Wirt von Alt Prag & La Bas

“Man lebt nur einmal“

Die Nürnberger Community trauert. Ulrich Stratica, der ehemalige Wirt der Szenebar „Alt Prag“ am Hallplatz, ist tot. Er ist am Samstag den 11. März 2017, auf seiner Trauminsel Gran Canaria, im Alter von nur 40 Jahren völlig unerwartet an den Folgen eines Herzinfarkts von uns gegangen.

Egal ob Uli, Ulla oder Tante Ulla, der schmerzliche Verlust trifft neben der Familie nicht nur den großen Freundes- und Bekanntenkreis, sondern auch die ganze Szene direkt. Denn mit Uli geht auch eine sehr engagierte Persönlichkeit. Er brachte sich bei zahlreichen Demos ebenso ein wie beispielsweise bei der Einweihung der Gedenkstele für die homosexuellen Opfer der NS-Zeit. Mit seinem Team organisierte er einen Wagen beim Faschingsumzug, war Sponsor des CSD, Unterstützer der AIDS-Hilfe nicht nur zum Welt AIDS Tag. Die RadioGays-Sendung auf RadioZ war ihm eine Herzensangelegenheit – Uli war überall dabei. Auch uns gegenüber war er über all die Jahre stets ein loyaler und zuvorkommend herzlicher Kamerad. Doch den ‚einen‘ Freund, der ihn persönlich in all seinen Facetten kannte, gab es offenbar nie. Enge Vertraute vergleichen ihre Beziehungen zu ihm mit einem Puzzle. Jedem gab er ein Stückchen persönliche Information über sein Leben preis. Nur gemeinsam kann man ein vollständigeres Bild von ihm darstellen.

Geboren in Rumänien wuchs Ulrich mit Schwester, Nichte und Neffe in Nürnberg auf. Zu seinen Eltern hatte er ein gutes Verhältnis, Mutter und Stiefvater standen immer hinter ihm. Doch er hatte auch einen Kodex: „Eltern müssen nicht alles wissen“. Uli absolvierte zunächst eine Ausbildung im Logistikbereich. Danach zog es ihn in die Gastronomie. Zuerst arbeitete er als Schankkellner beim „Lederer“, doch bald schon auch in der Szene im legendären „Walfisch“ und im „Alt Prag“, hier unter Wirt Volker. Im Januar 2011 erfüllte sich Uli seinen Wunschtraum: Wirt einer eigenen Bar zu sein. Ab jetzt war er selbst fünf Jahre lang Alt Prag-Chef am Hallplatz, noch im letzten Nürnberg-Jahr übernahm er das benachbarte „La Bas“ dazu. Seine ehemaligen Mitarbeiter beschreiben ihn als korrekten, optimistischen, spontanen, hilfsbereiten und emotionalen, aber auch sensiblen Menschen. Mit viel Spaß feierte er gerne mit seinem Team, zusammen mit den Gästen machte er die Nächte durch. “Man lebt nur einmal“, war sein bevorzugtes Lebensmotto, und „Wenn‘s mal brennt, nicht den Wodka vergessen“, witzelte er gerne. Unvergessen die zahlreichen Live-Musik-Shows und Partys im Rockdiscostil. Uli vergab Aufgaben und vertraute seinen Leuten. Seine Hilfsbereitschaft ging auch über die Szene hinaus, wie etwa Flüchtlingen gegenüber, die längere Zeit in einem Protestcamp auf dem Hallplatz ausharrten.

Der Travestiekunst war Ulla in früheren Zeiten sehr zugetan. Er wünschte sich einst mehr Auftritte. Wer Uli persönlich kannte, der zählte auf seine Mode-Typ-Beratung bei einer Shoppingtour. Nebenbei gab er gelegentlich auch den Verkäufern erfolgreich Tipps für eine Umsatz steigernde Sortimentsauswahl. Seine eigene Lieblingsfarbe war Lila. Außerdem konnte Uli an keinem Buchladen vorbeigehen, egal ob in Nürnberg oder in anderen Städten. Er verschlang Romane, fand hierin gerne einen beruhigenden Ausgleich, bevorzugt in der Badewanne. Entsprechend waren Bücher überall in seiner Wohnung gestapelt. Mit Hamburg verband ihn ein freundschaftliches Verhältnis zu den Besitzern der „Hongkong“-Bar. Klassik, Operetten und Peter Maffay waren seine Musikfavoriten. Das Nürnberger Klassik-Open-Air wurde jedes Jahr mit Familie und Freunden großartig zelebriert, dazu gehörte traditionell auch ein privates Buffet.

Dass Uli mehrere gesundheitliche Probleme zu schaffen machten, war bekannt. Doch mochte er nicht vor dem Team jammern und hat sich oft nichts anmerken lassen. Nach einem Urlaub im Mai 2016 auf Gran Canaria zog es ihn nicht mehr in die Heimat zurück. Er lebte seitdem auf seiner Trauminsel, auf welcher er sich bis dahin jedes Jahr mindestens für ein paar Wochen aufhielt. Wärme und Sonne taten ihm gut, hier fühlte er sich besser. Uli arbeitete zuletzt als Barkeeper im Shoppingcenter Cita in der Bar „Zur Flotte“. Sein Wunsch, auf der Insel zu leben, zu sterben und irgendwann die letzte Ruhe zu finden, hat sich dramatisch schneller als erwartet erfüllt. Die Aussichtsplattform im Naturreservat „Pinar de Tamadaba“, mit der schönsten Aussicht auf die Nachbarinsel Teneriffa, war sein Lieblingsplatz. Dort wurde sein letzter Wille erfüllt, seine Asche im Wind verstreut.

 

Der Gedenkgottesdienst für alle, die Abschied von Uli nehmen wollen, findet am Donnerstag den 30. März 2017 um 15:30 Uhr in der Evang.-luth. Christuskirche Nürnberg (Siemensplatz 2, Ecke Landgrabenstr./ Tafelfeldstr.) statt.

 

Zur Erinnerung: Weitere Bilder von Uli findet Ihr auf unserer ALT PRAG Partybilderseite

 

NK/ GAYCON März 2017

Gedenkgottesdienst für Uli, am 30. März 2017, Christuskirche Nürnberg

Peter Schneider, Direktor Paradies Theater

Trauer

Die Nürnberger Community trauert. Peter Schneider, der Direktor des Paradies Revue Theater, ist tot. Er ist am Samstag den 16. April 2016 im Alter von 64 Jahren von uns gegangen, zwei Tage vor seinem Geburtstag. Er war als Chef, Mentor, Freund und in seiner Familie sehr beliebt. Auch wenn er nun eine schmerzliche Lücke hinterlässt, er wird bei allen Menschen die ihn kannten, in deren Herzen verbleiben. Vielen Gästen des Paradies wird Peter als Travestiekünstler unter dem Namen „Patric Dupont“ in Erinnerung bleiben. Besonders seine Parodien als Zarah Leander, Connie Francis und Gitte Haenning kamen vom Herzen. Auf die Bühne zog es Peter bereits als achtjährigen Jungen auf der Weihnachtsfeier der Karnevalsgesellschaft „Nürnberger Trichter“. Mit Gedichten in Nürnberger Mundart wie „die Christbaumspitz“. 1989 war er im Außendienst der Firma Sprüngli beschäftigt, als er nebenbei zum ersten Mal mit der Travestiekunst auf der Paradies-Bühne stand. Dort arbeitete auch sein Lebenspartner Thomas Heber. 1990 hat Peter Schneider in einer mutigen Aktion das Theater übernommen, weil es zum Verkauf stand. 1996 wurde das übliche drei Show-Programm in eine Revue-Show umgestellt und seitdem bis heute beibehalten. Peter unterstützte auch als Mentor schon immer viele Nachwuchstalente.

Am Mittwoch, dem 27. April 2016 gaben soviel Freunde und Wegbegleiter dem verstorbenen Theater-Direktor die Ehre auf seinem letzten Weg, dass die Trauerhalle auf dem Südfriedhof kaum ausreichte. Frank alias France Delon und Olaf alias Elke Winter erinnerten in bewegenden Worten an unvergessene Momente einer gemeinsamen Zeit. Frank sprach stellvertretend für alle Künstler das Versprechen aus, 40 Jahre ‚Paradies’ auf jeden Fall voll zu machen. Auch heitere Anekdoten über ‚Patrick Dupont’ gab es zu hören. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, aber auch einem abschließenden Applaus als Würdigung für einen großartigen Theaterkünstler, wurde Peter verabschiedet.

Jürgen Wolff im Barokgarten beim St. Johannis-Stift

Nürnberger Community trauert

Jürgen Wolff ist am Mittwoch den 08. Oktober 2014 mit 73 Jahren verstorben. Durch seinen vorbildhaften Einsatz für die Schwulenszene in Nürnberg hat er wesentlich dazu beigetragen, unsere Interessen zu verwirklichen. Wohlgemerkt seit einer Zeit, in der es noch jede Menge Mut brauchte, sich offen schwul in der Kommunalpolitik zu behaupten. Er hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, wenn es darum ging, Diskriminierer in die Schranken zu weisen. Mit der „Grünen Inge“ geht einer der Wegbereiter unserer queeren Selbstverständlichkeit für immer von uns. Rund 40 Jahre hatte Jürgen als Stadtrat die Nürnberger Politik mitgestaltet. Nach gesundheitlichen Rückschlägen lebte er seit November 2011 im St. Johannis-Stift, wo er nun am Mittwochabend verstarb.

 

1960 kam Jürgen als 19jähriger DDR-Flüchtling in die Frankenmetropole. 1972 wurde er für die SPD zum ersten Mal in den Nürnberger Stadtrat gewählt. Im Herbst 1981 ist er aus der Partei ausgetreten, wurde Mitbegründer der Unabhängigen Alternativliste bis Ende 1982. Erst seit Frühjahr 1983 folgte die lange Verbundenheit zu den Grünen. Als gelernter Malermeister war Jürgen 20 Jahre lang mit einem eigenen Geschäft selbständig. Die Investitionen in einen Verlag und eine Galerie bezeichnete er in einem Interview, das er uns 2012 gab, selbst als wirtschaftlichen Schwachsinn, der ihm aber Spaß bereitet habe. Besonders die Kulturszene seiner Stadt war ihm als Politiker sehr wichtig. Als Fotograf dokumentierte er die Nürnberger Stadtentwicklung, war viele Jahre Pressereporter der „Nürnberger Schwulenpost“, arbeitete fasziniert an Männer-Fotoserien oder als Autor an Buchprojekten. Besonders in den 80er/ 90er Jahren dokumentierte der aktive Szenegänger fotografisch unzählige Veranstaltungen. Von den ersten Nürnberger CSD‘s über Empfänge, Diskussionsrunden bis zu den ‚Schwulen und Lesben – Galas‘. Bei Fliederlich e.V. war er einige Jahre im Vorstand, stellte einen direkten Draht des schwul-lesbischen Vereins zur Nürnberger Kommunalpolitik her. In einem Presse-Interview im Januar 1996 gab uns Jürgen Wolff auf die Frage „Glaubst du, dass Nürnberg für die Zukunft einen höheren Bedarf z.B. an schwulen Veranstaltungen hat?“ folgende weitsichtige Antwort: „Ich denke, dass der Nachfrageschwerpunkt bei gemischten Veranstaltungen liegen wird, wo jeder hin kann. Schwule Sänger, Kabarettisten usw. sind hierbei allerdings ein wichtiger Faktor des Emanzipationsprozesses. Die können sich gar nicht oft genug zeigen.“ Unsere gegenwärtige Partykultur bestätigt heute, 18 Jahre später, seine Vision. Jürgens oft überraschend direkte Art wird uns irgendwie fehlen. Nicht nur seine berüchtigten „Klöppel“-Anekdoten haben uns, anwesende Lokalgäste und Wirte häufig zum Staunen und Schmunzeln gebracht. Vielleicht schaut er jetzt aus rosa Wolken auf unsere gesamte Community mit ihren manchmal seltsamen Eitelkeiten und freut sich darüber, dass er unseren Weg nach Heute mitgestalten und leichter machen konnte. Servus Jürgen. Wir denken dabei an Dich.

 

Die Beisetzung von Jürgen Wolff wird im engsten Familienkreis stattfinden. Eine Gedenkfeier zu seinen Ehren und in Erinnerung an ihn findet am Samstag den 01. November 2014 um 18:30 Uhr im Kindertheater Mummpitz/ Kachelbau (Michael-Ende-Str. 17) an der Rothenburger Straße statt. Jürgen Wolff stand mit seiner Politik und seinem Einsatz für Nachhaltig- und Dauerhaftigkeit. Insbesondere lag ihm die Unterstützung für die vielen Projekte Nürnbergs, welche die Stadt bereichern und lebendig machen, am Herzen. Daher wird statt Blumen um eine Spende für „Mummpitz, Theater für Kinder und Jugendliche e.V.“ (Sparkasse Nürnberg, IBAN DE 1376 0501 0100 0513 8375, Stichwort „Jürgen Wolff“) gebeten.

 

NK/ GAYCON OKTOBER 2014

 

Unser Hausbesuch-Interview mit Jürgen (Januar 2012) ist weiterhin online:

 

Nach fast 40 Jahren als Nürnberger Stadtrat beendet Jürgen Wolff (70) seine politische Karriere.

Gedenkfeier

Der Saal des Mummpitztheaters im Kachelbau reichte kaum aus für die Menschen, die Abschied vom ehem. Stadtrat Jürgen Wolff nahmen. Angehörige, Freunde, Weggefährten des Mannes, der unbestechlich und unbeirrbar seinen Weg ging, trafen sich zu einer beeindruckenden Feier. Vor den rund 200 Personen moderierte Ralph Hoffmann, es sprachen Bürgermeister Dr. Klemens Gsell, Prof. Hermann Glaser, Dieter Barth für den CSD-Verein, Michael Glas für Fliederlich e.V. und einige weitere. Musikalisch umrahmten u.a. die Trällerpfeifen die Gedenkstunden, die Pocket Opera Company überraschte mit einer Performance. - 01. November 2014

Szenewirt Walter Meyer vom La Bas

„Flieg junger Adler“

 

Der gleichnamige Songtitel des deutschen Countrysängers Tom Astor wird in den Gedanken derer, die Szenewirt Walter Meyer vom „La Bas“ kannten, wohl für immer mit ihm verbunden bleiben. Ein Urgestein der Nürnberger Szene hat am Sonntag den 6. Juli 2014 im Alter von 71 Jahren für immer die Augen geschlossen. 35 Jahre lang war Walter der Chef der Szenekneipe „La Bas“, die ihre Anfänge in der Dr.-Kurt-Schumacher-Straße hatte und seit Anfang der 90er Jahre am Hallplatz fester Bestandteil der Community ist. Auch das „Alt Prag“ ebenfalls seit Anfang der 90er Jahre und die Szenekneipe „Einfachso“ zum Ende dieser Dekade wurden von Walter gegründet. Zu den beliebtesten Kosenamen, die seine vielen Freunde ihm gaben, gehörten „Traudl“, „Trudi“ oder auch „die Bucklige“. Der in Herzogenrath bei Aachen geborene Rheinländer, gelernter Metzger und Koch, ist seit über 40 Jahren in Nürnberg zu Hause gewesen. Sein großer Lebenstraum jedoch war das „La Bas“, gewissermaßen Zuflucht und Heim für alle, die in der Szene ihren Platz suchten. Der soziale Status spielte hier keine Rolle. Arbeitsloser, Arzt oder Anwalt, hier waren sie alle willkommen. Hinter der manchmal rauen Schale, die ihn vielleicht auch schwierig erscheinen ließ, verbarg sich doch eine Seele an Kerl, die niemals jemanden im Stich gelassen hätte. Wer jedoch versuchte, ihn auszunutzen, machte schnell die Erfahrung, dass Walter „sie alle erwischte“. Deutsche Musik, die das Thema ‚Fliegen‘ zum Inhalt hat, mochte er besonders gern. Inspiriert davon besuchte er so manchen der besungenen Orte höchstpersönlich, von Kuba bis Thailand. Walter hat sich seine Auszeiten gegönnt. Nun ist er nach wenigen Tagen Klinikaufenthalt auf seine letzte lange Reise gegangen. Doch wie Andreas Gabalier in seinem eigenen Lieblingslied besingt: „Amoi seg‘ ma uns wieder!“

Die Szene und alle seine Freunde haben Gelegenheit, mit seiner Familie von Walter Abschied zu nehmen bei der Trauerfeier auf dem Nürnberger Westfriedhof am Donnerstag den 10. Juli 2014 um 14:15 Uhr in der neuen Aussegnungshalle.

 

NK/ GAYCON JULI 2014

 

 

„Flieg junger Adler hinaus in die Freiheit

Schau nur nach vorn nie zurück

Hör auf dein Herz und folg nur den Gefühlen

Ich wünsche Dir viel Glück“

 

(Tom Astor)

Online-Aktion „Queer“ – für mehr Vielfalt und Toleranz - der Nürnberger Stadtbibliothek

AKTION QUEER: Die Stadtbibliothek Nürnberg engagiert sich für gesellschaftliche Vielfalt und möchte dazu beitragen, Vorurteile gegenüber Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuellen abzubauen. Mit der Online-Aktion „Queer“ will sie ein Zeichen für ein faires Miteinander setzen. Die ursprünglich geplanten Aktionen zum IDAHOBIT konnten wegen der Corona-Krise nicht alle umgesetzt werden. Trotzdem soll die Vielfalt und Toleranz gestärkt werden. Die Aktion „Lebende Bibliothek“ ist weiterhin online! Sprich mit Deinen Vorurteilen! So lautet das Prinzip einer „Lebenden Bibliothek“. Statt eines normalen Buchs „leiht“ man einen Menschen für ein Gespräch unter vier Augen aus und lernt so dessen Geschichte kennen. Die Lebende Bibliothek bietet Gespräche mit Menschen an, die oft in Schubladen gesteckt werden und deshalb mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Queere Menschen sind bei dieser Aktion die Lebenden Bücher. Die persönlichen Gespräche sind aktuell nicht möglich. Dafür sind jetzt kurze Videos der Menschen auf der Webseite der Nürnberger Stadtbibliothek online!

Unser GAYCON Pressefoto vom "dyke*march 2019" ist in der Ausstellung

ONLINE AUSSTELLUNG: Unser GAYCON Pressefoto geht um die Welt! Im Rahmen der online Ausstellung 2020 "Lesbische Sichtbarkeit" des Rainbow Cities Network ("Lesbian Visibility 2020") repräsentiert unser GAYCON Pressefoto vom "dyke*march Nürnberg 2019" die Stadt Nürnberg international! Neben deutschen Städten wie Berlin, Köln, München wird die Ausstellung nämlich u.a. in Wien, Mexico City, Genua, Zürich, Rotterdam, Brüssel und Sao Paulo besonders präsentiert. Auf der Homepage der Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule, Transidente, Bi- und Intersexuelle - Gleichstellungsstelle der Stadt Nürnberg - findet Ihr den Zugang. ... Zum Bericht auf der DOKU-Seite

Regenbogenfahne am Kulmbacher Rathaus (Foto: Uferlos Bamberg)

Kulmbach: Am letzten Juni-Wochenende war das oberfränkische Kulmbacher Rathaus „als Zeichen der Solidarität mit der LGBTIQ-Community“ mit der Regenbogenfahne beflaggt. Es sollte den diesjährigen Ausfall der Christopher Street Day Demos wegen der Corona Pandemie kompensieren und die Wahrnehmung von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt unterstützen. „Die Sichtbarkeit für queere Menschen verliert damit ihren wichtigsten Faktor“, betont Stadträtin Constanze Milbrad in der Tageszeitung Frankenpost. Die Idee der Extra-Beflaggung hatte die Grüne Jugend. Die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen hatte den Vorschlag an den Oberbürgermeister weitergeleitet und freut sich über die unbürokratische Umsetzung. Das Datum wurde bewusst gewählt, denn in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 stießen die Beamten der New Yorker Polizei bei einer Razzia im Schwulenlokal „Stonewall Inn“ in der Christopher Street erstmals auf heftigen Widerstand der LGBTTI*-Community.

Maskenpflicht in Bayern: In Geschäften & ÖPNV

MASKENPFLICHT: +++ Wegen der Corona-Pandemie gilt in ganz Bayern seit Ende April 2020 bis auf weiteres eine Maskenpflicht in Geschäften, Bankfilialen und Supermärkten sowie in Bussen und Bahnen (schon an der Haltestelle) des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV). Wer sich nicht an die Maskenpflicht hält, muss mit einem Bußgeld von 150 Euro rechnen. Alternativ kann auch mit Schals und Halstüchern die Mund-Nasenabdeckung umgesetzt werden. Umweltfreundlich sind Masken, die nach dem Tragen mindestens bei 60 Grad gewaschen werden können. Bügeln mit Hitze und Dampf hilft ebenfalls zur Desinfektion. Die medizinischen FFP-Masken werden von dem klinischen und pflegerischen Personal allerdings dringender benötigt. +++

In the Mix Party - Café Bar Cartoon
After-Faschingszug-Party - La Bas

#TV-TIPPS

+++ 06.07. RTLII 01:00 Exklusiv - Die Reportage: Unternehmen Erotik - Doku +++ 07.07. RBB 14:30 Herzlichen Glückwunsch - Spielfilm +++ 08.07. SIXX 21:40 Paula kommt: Aus Freundschaft wurde Liebe - Talk // 22:10 KABEL1 CLASSICS Love, Simon - Spielfilm +++ 09.07. ARTE 13:45 Wilde Herzen - Spielfilm // 23:20 KABEL EINS Die spektakulärsten Kriminalfälle: Mord an Walter Sedlmayr - Doku // 23:30 RBB La bella saison - Eine Sommerliebe - Spielfilm // 00:15 Express Yourself - Die Tänzer der Queen of Pop - Doku +++ 10.07. ARTE 21:45 Pop Utopia: u.a. Träume der LGBT-Community - Doku // 22:10 N-TV Let´s talk about Sex - Das Jahrhundert der Aufklärung - Doku // 00:10 SAT1 GOLD Lenßen & Partner: Adoption mit Hindernissen - Krimi // 00:20 MDR Dallas Buyers Club - Spielfilm // 00:45 ARTE Tracks: u.a. Queer & GayPop - Magazin // 01:20 ARTE Mapplethorpe: Look at the Picture - Doku +++ 11.07. HR 00:40 Leb wohl, meine Königin - Spielfilm +++ 12.07. RTL PLUS 17:05 Law & Order: Auch ein hohes Tier bleibt ein Tier - Krimi +++

Faschingsparty - Savoy Bar
Queere Faschingsparty - Café Bar Cartoon

#CSD/ PRIDE:

Aktion: Gesichtsmasken im CSD Design

Aktion: Gesichtsmasken im CSD Nürnberg Design! Tu Dir, Community-Läden und dem CSD-Verein etwas Gutes! Für mindestens 15 Euro Spende an den CSD-Förderverein kannst Du eine CSD-NBG-Gesichtsmaske erwerben. Davon gehen mindestens 5 EUR an die Läden. +++ In diesen Nürnberger Community-Läden gibt’s die CSD-Design-Masken: Café Bar Cartoon (An der Sparkasse 6), Chocolat Laden & Café, C.RAUCH'sche Buchhandlung (Jakobstr. 40), Restaurant Estragon (Jakobstr. 19), Café Herrlich, Restaurant Literaturhaus (Luitpoldstr. 6), Rosegardens (Vordere Sterngasse 24), Fachgeschäft Vom Fass (Königstr. 25 – 27) und im CSD-Nürnberg Online-Shop. +++ Info: Oli & Micha vom Fachgeschäft Rosegardens haben beschlossen, den Erlös aus ihrem Laden an das Nürnberger Paradies Theater zu spenden, weil es weiterhin geschlossen bleiben muss. Dem schließt sich Michael vom Café Herrlich an. +++

Präsentation CSD Nürnberg Plakat 2020 (Foto: CSD Förderverein)

CSD Nürnberg

CSD Nürnberg Motto 2020: „Queer Europe - kein Schritt zurück!“ Deutschland und Europa ist bunt - überall in allen EU-Ländern - und das muss so bleiben und noch viel weiter wachsen! Darum gilt es weiter zu kämpfen für LGBTTIQ* hier und in Europa! +++ Update: Der CSD Nürnberg in der gewohnten Form mit Demo, Rahmenprogramm und Finale ist wegen der Corona-Krise abgesagt! Nach Alternativen wird gesucht. +++

Maskenaktion

Satirisches GAYCON Maskenaktions Collagen-Titelbild Juli 2020 +++ Corona-Krise: Aufgrund der aktuellen Lage pausieren die üblichen Monatstitelbilder bis auf weiteres!

Maskenaktion

#Dritte und letzte Runde im Juli 2020# Aus aktuellen Gründen werden wir die übliche GAYCON Titelbild-Reihe mit selbstbewussten Models aus der queeren Community vorrübergehend aussetzen. Stattdessen wird mit einer satirischen Fotomaskenaktion als Alternative der aktuellen Maskenpflicht mit einem Schmunzeln begegnet. Wobei hier mehr der Spaß und originelle Ideen im Vordergrund stehen sollen. Unter dem Motto „#wirbleibencommunity“ zeigen wir seit Mai 2020 aus allen Bildern, die wir bekommen haben, Fotocollagen als GAYCON Titelbilder für die Webseite, als auch im Panorama für Facebook und Instagram. Danke für die rege Beteiligung!

Vielen Dank an meine Freunde, die sich in Form eines Inserats bzw. einer Publikation an den Gestaltungskosten für diese Website beteiligen und sie damit ermöglichen!

GAYCON-Aufrufe seit Start 07.02.2011

GAYCON-Aufrufe seit dem 17.06.2020

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