#Berichte queere Flüchtlingsarbeit

Chronologisch von oben nach unten: Rosa Asyl (2019), Preisverleihung an Fliederlich (2018), Ablehnung der Asylanträge durch das Bamf (2017) // Queer Café International (2016) // Fliederlich eröffnet erste LGBTI-Flüchtlingsunterkunft (2016)

Das neue EU-Projekt "Rosa Asyl" in Nürnberg: Beratung queerer Flüchtlinge von IMEDANA in Kooperation mit Fliederlich e.V.

Rosa Asyl

Der Verein IMEDANA e.V. war seit 2007 Träger des bisherigen „Internationalen Frauencafés“, eines Projektes, das sich speziell an geflüchtete Frauen richtete. Seit Juli 2018 wird der Schwerpunkt mit einem neuen EU-Projekt erweitert: Unter „Rosa Asyl“ berät der Verein in Kooperation mit Fliederlich e.V. nun auch geflüchtete LSBTIQ (Lesbisch-Schwul-Bisexuell-Trans-Intersexuell-Queer) jeglichen Geschlechts. In einem Pressegespräch Anfang Februar wurde dies nun der Öffentlichkeit vorgestellt. Während die Gesamtzahl der Flüchtlinge in Deutschland zurückgeht, hat Michael Glas von Fliederlich e.V. einen Rückgang der Beratungsnachfrage von queeren Flüchtlingen noch nicht feststellen können. Sie bleibt stattdessen konstant gleich. „Queere Flüchtlinge haben einen weiterhin hohen Druck, das eigene Land zu verlassen“, betont Michael und verweist auf lange Wartelisten für die wenigen Plätze in den speziellen queeren Unterkünften in Nürnberg, München und bald in Würzburg. Weil die Gesamt-Aufnahmezahl an Flüchtlingen für die Stadt Nürnberg als erfüllt gilt, können queere Menschen nicht mehr ohne weiteres aus anderen Bezirken gezielt in die Noris verlagert werden. Ein weiteres Problem entstand durch die neuen Ankerzentren (Zentrum für Ankunft, Entscheidung, Rückführung) im August 2018. Grundsätzlich gilt für die Bewohner dort eine „Bleibepflicht“. Nur Personen mit guten Aussichten auf einen Asylstatus sollen schnell auf die Kommunen verteilt werden. Damit ist der Informationsaustausch schwieriger geworden. Deshalb will das Projekt Rosa Asyl zukünftig einmal im Monat ein mobiles Beratungscafé in den Bayerischen Ankerzentren anbieten. In 72 Ländern ist Homosexualität strafbar. In zehn Staaten gilt die Todesstrafe, in den anderen drohen Gefängnisstrafen. „Leute fliehen vor Verfolgung nach Deutschland. In ihrem Heimatland sind diese ihren staatlichen Einrichtungen gegenüber mißtrauisch. In Deutschland sollen sie aber vor dem Amt sofort zur ihrer Homosexualität stehen“, erläutert Michael eines der Hauptprobleme. So scheitert der Antrag oft daran, dass die Probanden sich keine vollständigen Aussagen zu machen trauen, oder an den zu gering eingestuften Ereignissen einer Verfolgung im Sinne des deutschen Asylgesetzes. Deshalb landen nun viele abgelehnte Asylverfahren vor dem Verwaltungsgericht. Wie z.B. der von Glib aus der Ukraine. Das BAMF argumentiert die Ablehnung u.a. mit „Grundsätzlich sind Homosexuelle in der Ukraine keiner staatlichen Verfolgung ausgesetzt. Allerdings ist die gesellschaftliche Einstellung gegenüber Homosexuellen eher ablehnend.“ Das Amt vermisst diesbezügliche Anzeigen bei der örtlichen Polizei, als er geschlagen oder in einem anderen Fall vor ein Auto geschubst wurde. Letztlich rät der Bescheid „durch Wegzug in andere Regionen der Ukraine einer Gefahr aus dem Weg zu gehen, ohne dabei das Land verlassen zu müssen.“ Rosa Asyl gibt Informationen zur Anhörung im Bundesamt und zu weiteren rechtlichen Möglichkeiten. Die Helfer beraten in akuten Notsituationen, wie bei Abschiebungen oder Übergriffen in der Unterkunft. Neben Spenden wird das Projekt auch aus Mitteln der Europäischen Union gefördert. Die Stadt Nürnberg ist mit der Villa Leon beteiligt.

 

+++ Beratung für Frauen bei IMEDANA e.V. (Zickstr. 8): Telefonische Sprechzeiten unter 0911 / 4314719 – Di/ Do/ Fr von 10:00 – 12:00 Uhr; Do auch 14:00 – 16:00 Uhr. +++ Offene Beratung für LGBTIQ* bei Fliederlich e.V. (Sandstr.1): Do 12:00 – 15:00 Uhr  / Tel. 0911 / 42345719 +++ Dringende Anfragen per E-Mail an rosa-asyl@gmx.de +++

 

NK

GAYCON Februar 2019

Preisübergabe: 13. Lina-Schneider-Preis für die queere Flüchtlingsarbeit von Fliederlich e.V.

Preisübergabe

Der Kreisverband Nürnberg von Bündnis90/Die Grünen verlieh am zweiten Mai-Donnerstag im gutgefüllten Saal des neuen Fliederlich-Zentrums den 13. Lina-Schneider-Preis an Fliederlich e.V. Die Grünen würdigen damit das ehrenamtliche Engagement zum Schutz queerer Geflüchteter. Kreisvorsitzender und Bezirksrat Daniel Arnold überreichte den mit 1000 Euro dotierten Scheck an Vereinskassier Ulrich Breuling. Der Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz sowie Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Verena Osgyan würdigten die Pionierarbeit von Fliederlich. Ulrich Breuling berichtete, dass bei der Renovierung des neuen Fliederlich-Zentrums auch einige betreute Geflüchtete tatkräftig mithalfen. Einer erzählte ihm seine Motivation: „Ich helfe gern, hier fühle ich mich zuhause!“ Etwas wehmütig ergänzte Breuling, dass die LGBTI-Fliederlich-Unterkunft nun geschlossen werden muss, weil kein Nachfolgeobjekt gefunden wurde. Es sei aber nicht dramatisch, weil jetzt die Stadt Nürnberg noch andere queere Unterkünfte betreut. Am Rande der Veranstaltung berichtete uns ein queerer Flüchtling von einem Problem mit Dolmetschern bei seiner Anhörung. Er habe nicht gewusst, dass generell die Möglichkeit besteht, bei Verständigungsproblemen wegen Dialekten auf einem anderen Übersetzer zu bestehen. Damit wurden seine Gefühle, Erklärungen, Ausführungen dem Interviewer der Behörde nicht korrekt mitgeteilt. Ihm wurde deshalb nicht abgenommen, dass er schwul sei. Aktuell ist der Fall bei Gericht. Dass es diesbezügliche Probleme mit der Verständigung gibt, ist leider kein Einzelfall. Geflüchtete sollten sich deshalb vorher ausführlich über ihre Rechte informieren.

Verleihung Lina-Schneider-Preis, Fliederlich-Zentrum Nürnberg, 10. Mai 2018

Von links: Luka, Fliederlich Vorstand Ralph Hoffmann, Edgar, Ivan und AIDS-Hilfe Vorstand Manfred Schmidt

Du bist nicht schwul!

Es besteht nach Informationen durch Fliederlich e.V. die brisante Situation, dass queere Flüchtlinge vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) seit der Umstellung zur Beschleunigung der Asylanträge auch mit der Feststellung abgelehnt werden, sie könnten in ihren Herkunftsländern sicher leben oder ihr Schwulsein wäre gelogen. Vorstand Ralph Hoffmann zeigt sich bestürzt über die gängige Praxis. Vor allem weil der Verein, welcher ehrenamtlich auch grundsätzliche Fürsorge-Aufgaben des Bundes erfüllt, an der vorgegebenen sexuellen Identität der Antragsteller keinerlei Zweifel hat. Er sieht als Konsequenz aus dem Aberkennen der sexuellen Identität die grundgesetzlich garantierte Menschenwürde infrage gestellt.

 

Seit 14 Monaten betreut der Verein Fliederlich queere Flüchtlinge im Großraum Nürnberg in einer eigenen Unterkunft, als Betreuer in zwei weiteren bei anderen Betreibern. Hinzu kommt der Beratungsbedarf von Betroffenen aus den üblichen Unterkünften der Metropolregion. Damit summiert sich die Zahl auf rund 60 Personen, überwiegend schwule Männer sowie Transgendern. Der Europäische Gerichtshof hat im Jahr 2013 die Rechte der homosexuellen Flüchtlinge gestärkt, wenn diesen in ihren Herkunftsländern tatsächlich Haftstrafen wegen homosexueller Handlungen verhängt werden. Im Sinn der Genfer Flüchtlingskonvention ist die sexuelle Ausrichtung ein so bedeutsames Merkmal für die Identität eines Menschen, dass sie nicht gezwungen werden sollten, auf diese zu verzichten. Ralph Hoffmann bestätigte, dass bis nach 2015 in der Praxis die Anerkennung des Asylantrages durch das Bamf die Regel war. „Wir begleiten alle unsere Antragsteller zu den Interviews im Bundesamt. Wir können 100%ig bestätigen, dass unsere Schützlinge auch schwul sind. Wir arbeiten mit ihnen, wir wissen wie sie leben. Doch die Entscheidung trifft nun ein Gremium anhand dieser Gesprächs-Protokolle, ohne die Menschen jemals gesehen zu haben. Nun bekamen wir im Beispiel eines Irakers die Absage mit der Begründung, dass dieser nur angeblich homosexuell sei, es bestünden große Zweifel‘“, ärgert sich Hoffmann. Manche würden sogar nur angsterfüllt zugeben, dass sie schwul seien, weil das für sie vorher auch lebensgefährlich sein konnte. „Weiteren wurde geraten, in einer anderen Region ihres Landes zu leben, dort wäre es sicherer.“ Doch aktuell kommen gerade aus Russland/ Tschetschenien Nachrichten über gezielte Verfolgung von schwulen Männern mit Todesopfern bei den westlichen Medien an. Genau dorthin soll der Tschetschene Said (24) zurück, bzw. in eine ‚sichere Region‘. Moskau sei ihm angeraten worden. Als Schwuler und Tschetschene?? Er wäre ursprünglich gerne zuhause geblieben, aber die Jagd der Schlägertrupps und die Folter mit Stromschlägen veranlassten ihn zur Flucht. „Am besten wäre es für mich, wenn sie mich einfach nur umbringen“, betont Said, der nun Einspruch gegen den Bescheid eingereicht hat. Aus Uganda stammt Ivan (28), wo homosexuelle Handlungen unter Strafe stehen. Ihm wurde gedroht, dass er „in Stücke geschnitten wird“. Seine Familie und Freunde wollten ihn totschlagen oder steinigen. Als Unternehmer hatte er ein Visum zur Bio-Fach-Messe nach Nürnberg bekommen. Dass in Uganda eine menschenunwürdige Situation für Lesben und Schwule herrscht, wurde mit der Auszeichnung des Nürnberger Menschenrechtspreises an Kasha Nabagesera 2013 von der Stadt bewusst publik gemacht. Für ihren Kampf um die Rechte ihrer Community. Luka (27) und Edgar (31) aus Armenien hatten in ihrem Heimatland eine Tanzschule. Seit zehn Jahren sind sie ein Paar. Sie flohen ebenfalls vor der alltäglichen Diskriminierung nach Deutschland. „Allein nur, wenn Männer längere Haare tragen, werden diese im Alltag auf der Straße als schwul beschimpft!“. Generell würden alle anwesenden Flüchtlinge zurück in ihr Heimatland gehen, wenn es sichere Lebensverhältnisse gäbe. Aktuell gibt es zehn Asyl-Ablehnungen, drei bis fünf Anerkennungen, obwohl die Flüchtlinge aus den gleichen Ländern stammen. Die überwiegende Antragszahl ist noch in der Warteschleife. Das Bamf wies die Fliederlich-Vorwürfe gegenüber der Deutschen Presseagentur zurück. „Schutz werde gewährt, wenn der Antragsteller glaubhaft mache, dass bei einer Rückkehr in das Herkunftsland schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen drohten.“

 

Neue Unterkunft gesucht

Die queere Flüchtlingsunterkunft von Fliederlich braucht neue Räume, die Wohnung war nur als Zwischennutzung gemietet. Nun ist aber kürzlich das ausgemachte neue Nachfolgeobjekt geplatzt. Bis zum Herbst müssen die zehn Bewohner das jetzige Haus verlassen. Während aus Nürnberg die Nachfrage etwas nachlässt, weil die meisten in üblichen Wohnungen untergebracht wurden, verstärkt sich nun die Nachfrage aus dem Umland. „Wir könnten eine Unterkunft für 100 Leute betreiben. Doch Personen aus anderen Zuständigkeitsbereichen dürfen wir nicht helfen. Deshalb wäre es sinnvoll, weitere Zentren in Metropolen zu schaffen, in der Nähe der queeren Gemeinschaft“, betont Ralph Hoffmann. „Während die Stadt Nürnberg etwas hilft, gibt es vom Staat keine Unterstützung. Damit werden die meisten Kosten aus Spendengeldern finanziert, nicht nur aus der queeren Szene. Für den Einsatz der Anwälte sowie Gerichtskosten, bauliche Maßnahmen, laufende Kosten. Ein großer ehrenamtlicher Helferkreis betreut die Flüchtlinge in den Unterkünften. Nur wenn vor Gericht gewonnen wird, fließt das Prozessgeld an uns zurück.“

 

Foto/ Text Norbert Kiesewetter

GAYCON Mai 2017

Freuen sich über den Gäste-Zuspruch, trotz aktueller Halloween-Gruseldeko im Fliederlich-Zentrum: Michael Glas (Fliederlich, links) und Martin Tröbs (AIDS Hilfe Nürnberg, rechts)

Integrations - Café

Seit Ende September gibt es ein neues Angebot im Fliederlich Zentrum (Sandstr. 7): Das „Queer Café International“. Jeden Donnerstag von 15:00 bis 17:00 Uhr treffen sich im Durchschnitt an die fünfzehn Besucher. Bei Kaffee, Tee, Gebäck und Kuchen ist ein Schutzraum entstanden, in dem die von der heterosexuellen Norm abweichende Identität akzeptiert ist und nicht versteckt werden muss. In den Sprachen deutsch, englisch, oder auch mit Händen und Füßen können sich alle unterhalten und spielerisch näherkommen. Die mehrheitlich schwulen Männer aus unterschiedlichen Herkunftsländern wie z.B. Iran, Irak, Syrien, Russland sind nach Deutschland geflüchtet und durchlaufen derzeit das Asylverfahren. Doch das Café soll insgesamt eine Anlaufstelle für queere Migranten sein, für alle Zugewanderten in der Region. Außerdem ist es als Kontaktstelle für ehrenamtliche Unterstützer und alle, die es werden wollen, gedacht. Das Gemeinschaftsprojekt wird von Fliederlich und der AIDS Hilfe Nürnberg im Wechsel betreut. Von Seiten der AIDS-Hilfe, die das Flüchtlings-WG-Projekt von Fliederlich unterstützen will, steht Sozialpädagoge Martin Tröbs für Gespräche und das Entwickeln von Präventionsangeboten zur Verfügung. Hier bekommen neben Fliederlich-Geschäftsführer Michael Glas auch neue ehrenamtliche Unterstützer die Möglichkeit, den Geflüchteten bei der Orientierung im fremden Land zur Seite zu stehen. Das Kuratorium der AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth e.V. hatte im Sommer beschlossen, dass sich die AH stärker im Bereich Flüchtlinge engagieren soll. So wurde die Kooperation mit Manfred Schmidt, Fachvorstand der AIDS-Hilfe und Fliederlich e.V. ins Rollen gebracht.

GAYCON Oktober 2016

In der neuen Unterkunft für queere Flüchtlinge im Nürnberger Stadtteil Gostenhof: Fliederlich Vorstand Ralph Hoffmann, Geschäftsführer Michael Glas, bayerische Landtagsabgeordnete Claudia Stamm und Vorstand Ulrich Breuling

Vorbild für Deutschland

Ein Novum in der deutschen LGBTI – Landschaft nimmt in Nürnberg noch vor Berlin Gestalt an. Die bislang erste und einzige Flüchtlingsunterkunft für queere Menschen wird vom schwul lesbischen Verein Fliederlich initiiert. Vorstand Ralph Hoffmann schätzt die Zahl der Betroffenen zwischen 400 bis 600 als Anteil von insgesamt 8000 Flüchtlingen allein in der Frankenmetropole.

 

Voraussichtlich in der ersten Februarwoche können Bewohner in die neue Unterkunft einziehen. Neben der politischen Verfolgung oder Kriegsgründen spielt die sexuelle Orientierung bei Flüchtenden eine wichtige Rolle. Kenia, Uganda, Irak, Afghanistan sind nur einige Beispiele für Herkunftsländer, die für queere Menschen zur Hölle werden, wenn sie sich outen. Transsexuelle Menschen finden in der muslimisch-arabischen Welt keinen Respekt. Nicht selten droht ihnen die Steinigung. Eine große Zahl der homosexuellen Flüchtlinge trägt die Furcht vor dem Outing auch in den hiesigen Unterkünften und sogar bei Amtsauskünften immer mit sich.

Wie Fliederlich am Montag, 25. Januar 2016, in der Pressekonferenz mitteilte, hat der Verein zwei Etagen eines leerstehenden Hinterhofgebäudes im Nürnberger Stadtteil Gostenhof angemietet. Die Stadt Nürnberg unterstützt das Vorhaben unbürokratisch mit einem Tagessatz, der die Kostenneutralität sicherstellt. In diesen zwei Wohnungen werden aktuell auf ehrenamtlicher Basis Trennwände eingezogen, um aus den großflächigen 200 Quadratmetern kleinere Räume für die insgesamt acht bis maximal zehn Asylbewerber bieten zu können. In einer Gemeinschaftsküche werden die Bewohner dann als Selbstversorger zusammen kochen. Dazu wird es eine größere Gemeinschaftsfläche geben. Aus versicherungs- und brandschutztechnischen Gründen ist die Nutzung des Galeriebereichs aufgrund fehlender Nottreppen leider nicht möglich.

In der zweiten Etage ist die Küche und der Gemeinschaftsraum geplant. Mit einer Trennwand wird weiterer Raum gewonnen.

Angstfrei leben

„In den bestehenden Notunterkünften herrschen besonders aufgrund der Enge ethnische Konflikte unter den Bewohnern. Dadurch sind die homosexuellen Flüchtlinge im Dauerstress. Für viele, besonders aus muslimischen Ländern, ist schon die Anwesenheit von Schwulen und Lesben ein Affront“, berichtet Hoffmann. „Zwei Kurden erzählten, dass sie vom Regen in die Traufe kamen. Sie wollten nach Deutschland, um hier angstfrei queer leben zu können. Doch in den Heimen herrscht die gleiche Situation wie in ihrer Heimat.“ Der Verein berichtet weiter, dass sich in den letzten drei Monaten, ohne spezielle Informationen oder Werbung dazu, 25 Homosexuelle direkt bei Fliederlich per Telefon oder persönlich im Zentrum gemeldet hatten. „Sie alle suchen einen sicheren Rahmen, wo sie keine Pöbelei befürchten müssen. Wo sie nicht bedroht werden. Darum kamen wir zum Entschluss, wir müssen für diese Leute eine sichere Unterkunft bieten“, betont Michael Glas, Geschäftsführer von Fliederlich. „Es werden Adressen gesammelt und gemeinsam mit den Ämtern der Stadt Nürnberg und den Behörden der Regierung von Mittelfranken die zukünftigen Bewohner ausgesucht. Es wird der offizielle Weg beschritten und dann werden die Bewohner zugewiesen. Damit wird auch die Berechtigung sichergestellt.“ Außerdem steht zum Projekt ein ehrenamtlicher Helferkreis in den Startlöchern. Dieser soll zukünftig die queeren Flüchtlinge begleiten und betreuen. Fliederlich freut sich über die positive Resonanz aus der Community in Bezug auf materielle Unterstützung. Die Unterkunft ist eine Zwischennutzung der Räumlichkeiten. Im Sommer/ Herbst müssen neue Räume gefunden werden, weil der Eigentümer das Haus umbauen will. Die genaue Adresse der Unterkunft soll aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich gemacht werden.

In der ersten Etage werden noch Trennwände eingezogen

Staatsaufgaben

Claudia Stamm, bayerische Landtagsabgeordnete der Grünen, kritisiert, dass Städte und Vereine hier für eine Aufgabe zuständig sind, die eigentlich der Staat tragen müsste. Sie zieht verbal den Hut vor der großartigen Aufgabe, die Fliederlich an dieser Stelle übernimmt. Und fordert in ihrer Funktion als Sprecherin für grüne Gleichstellungspolitik eine bayernweite Anlaufstelle für queere Flüchtlinge. In einem Antrag im bayerischen Landtag wurde angeregt, diese generell in den beiden Metropolstädten unterzubringen, doch es folgte die Ablehnung mit der Begründung, dass das sowieso gemacht würde. „Fakt ist, das stimmt nicht, denn ich erhalte viele Mails von Betroffenen auf dem Land. Dabei hätte die Umsetzung nichts gekostet“, betont Stamm. „Homosexuelle Flüchtlinge sind momentan am besten in Nürnberg oder München unterzubringen, weil es nur dort Beratung und Kontakt zur Szene gibt.“ Sie fügt an, dass religiöse Intoleranz mit den Folgen langjähriger Strafen oder sogar der Todesstrafe gleichfalls mit Koran oder Bibel begründet werden und die Betroffenen zur Flucht bewegt.

 

Nach wie vor ist es der große Traum von Fliederlich, ein Haus-Gesamtprojekt für den Verein zu verwirklichen. Dort sollen im Wesentlichen das Vereinszentrum mit ausreichenden Büro- und Gruppenräumen, Wohnmöglichkeiten für altersbedingt ausgegrenzte queere Menschen, für LGBTI-Flüchtlinge und eine Notschlafstelle für Jugendliche in der Coming-out Phase vereint werden. Bevorzugt als Dauerlösung wäre natürlich eine eigene Immobilie, aber auch eine Anmietung käme in Betracht. Eine Innenstadtlage wäre das Tüpfelchen auf dem i.

 

Text/Fotos Norbert Kiesewetter

GAYCON Januar 2016

QFF-Treffen: Grußworte aus Politik und Gesellschaft für die queeren Fußball-Fan-Clubs

QUEERE COMMUNITY:

Tagung der queeren Fußball-Fan-Clubs in Nürnberg

Zum zweiten Mal richteten die Norisbengel, offizieller queerer Fanclub des 1. FCN, die überregionale Tagung am vierten September-Wochenende in der Frankenmetropole aus. Leider waren mit rund 30 Teilnehmenden deutlich weniger nach Nürnberg angereist als ursprünglich erwartet. Als Tagungs-zentrum fungierte der Saal des Restaurants im Literaturhaus. Queere Themen rund um den Fussball standen im Mittelpunkt. Als Zugabe fand noch ein Kulturprogramm, wie Stadtführungen in der Altstadt und am ehemaligen Reichspartei-tagsgelände, ein gemeinsames Mittagessen im Hauptlokal im Erdgeschoss, sowie ein „Feier-Abend“ in einer Szenekneipe, statt. Zum öffentlichen Teil der Veranstaltung am Samstag-vormittag kamen einige Personen aus Politik und Gesellschaft vorbei und überbrachten persönliche Gruß-worte...  +++ Hier geht´s zum vollständigen Bericht mit Bildergalerie auf der DOKU-Seite +++

Kundgebung zum Tag der bisexuellen Sichtbarkeit

COMMUNITY NÜRNBERG:

Kundgebung auf dem Magnus-Hirschfeld-Platz

Zum Internationalen Tag der bisexuellen Sichtbarkeit am vierten September-Freitag organisierten die Bi in Franken & die Bi-Gruppe vom queeren Fliederlich-Zentrum auf dem Nürnberger Magnus-Hirschfeld-Platz eine Kundgebung. Rund 30 Menschen aus der queeren Community fanden sich am Gedenkort der Homosexuellen Opfer des Nazi Regimes am Sterntor ein. Einige Regen-bogenfahnen erzeugten auch optische Sichtbarkeit im öffentlichen Raum. Organisator Herbert Hacker, Teamer der Bi-Gruppe, berichtete, dass das „Bisexual Manifesto von 1990“ ein Meilenstein des bisexuellen Selbstverständnisses ist. „Es wurde ursprünglich in der Zeitschrift Anything That Moves veröffentlicht und der Text ist heute immer noch so aktuell wie vor 32 Jahren. Mit vielen der Vorwürfe, denen damals schon deutlich widersprochen wurde, sind wir heute immer noch konfrontiert. Deshalb hat sich BiNe.eV. entschlossen, eine Übersetzung ins Deutsche anzufertigen.“ ... +++ Hier geht es zum vollständigen Bericht mit Bildergalerie auf der DOKU-Seite +++

Soul-Diva Ikenna Amaechi mit ihrer Whitney Houston Tribute Show

SHOW & DINNER:

Travestie-Star Ikenna Amaechi begeisterte Nürnberg

Von wegen die Franken können nicht ausflippen! Schon nach dem ersten Song der Whitney Houston Tribute Show von Ikenna wurde der Travestie-Star umjubelt. Live-Gesang vom Feinsten erlebten die 220 Gäste am dritten September-Wochenende im Restaurant Literaturhaus (Luitpoldstr. 6) an zwei Abenden inklusive eines 3-Gänge-Menüs. Ein Ohren-, Augen- und Gaumenschmaus der Extraklasse. Die Rosegardens Jungs luden zu „Ikenna sings Whitney Houston´s Greatest Hits“ und die Gäste konnten sich kaum auf den Stühlen halten. Egal ob mitsingen oder im Takt mitschnipsen, Ikenna bekam alles vom Publikum. Mittanzen, Zugaberufe, Standing-Ovations, alles war dabei. ...

+++ Hier geht´s zum vollständigen Bericht mit den Bildergalerien vom Samstag 17. & Sonntag 18. September auf der DOKU-Seite +++

QNB - Markus & Beatrice stellten die neue LSBTIQ*- Informations-Plattform vor

COMMUNITY FRANKEN/ BAYERN:

Das „Queere Netzwerk Bayern“ stellt sich vor

Im Rahmen der großen Netzwerktour durch alle Regierungsbezirke Bayerns machte das Queere Netzwerk Bayern (QNB) am dritten September-Montag auch im Fliederlich-Zentrum Halt und sorgte gleich für ein kleines Netzwerktreffen für die mittel-fränkische Region. Über 30 Interessierte aus den verschiedensten Vereinen, Gruppen und Beratungsangeboten waren dabei und lauschten gespannt der Projektkoordinatorin Beatrice Alischer und dem Pressesprecher Markus Apel. Neben einer kleiner Eröffnung durch JJ Herdegen, begrüßte Fliederlich Geschäftsführer Michael Glas das Projekt-Team und erinnerte an die ersten Versuche der bayernweiten Vernetzung der damaligen Schwulen-Gruppen in den 70er/ 80er Jahren. ... +++ Zum vollständigen Bericht auf der DOKU-Seite +++

Das CSD Schwabach 2023 OrgaTeam

COMMUNITY FRANKEN:

Keimzelle für einen CSD Schwabach

Am zweiten September-Dienstag folgten 14 Personen dem Aufruf zur Gründung eines CSD Schwabach 2023 OrgaTeams und schauten im Burgersgarten vorbei. Neben Menschen aus der Community waren auch Unterstützende aus Politik, Stadtrat und Gesellschaft vor Ort. Wirt Holger Stark berichtete, dass sich sogar noch einige bei ihm gemeldet hatten, jedoch für diesen Abend keine Zeit fanden, persönlich zu erscheinen. Als Straight Ally will Fabian Schlosser (Juso) grundsätzlich Diversität unterstützen. „Es kann nur richtig sein, sich als Hetero für alle einzusetzen, nicht stehen zu bleiben. Queerfeindlichkeit hatte ich selbst erlebt.“ Die Motivation von Wirt Holger Stark, auch in Schwabach mit einem CSD aktiv zu werden, waren Hinweise aus dem Jugendzentrum Aurex. „Ich war schockiert, dass beim QueerTreff Jugendliche bedroht werden. Schon für sie selbst bedeutet es viel Kraft, zum Treff hinzugehen. Dann unter Druck von anderen Jugendlichen zu geraten, dass ist unfassbar“. ...

+++ Zum vollständigen Bericht auf der DOKU-Seite +++

Demo mit Kundgebung für Malte - u.a. in der Nürnberger Fußgängerzone

GEDENKEN IN NÜRNBERG:

Die queere Community Nürnberg setzt Zeichen

Bei einer sehr kurzfristig organisierten Demo mit Kundgebung des CSD Nürnberg am ersten September-Dienstag zogen rund 500 Teilnehmende durch die Fußgänger-zone. Los ging es ab der Lorenzkirche, über Weißer Turm, Kornmarkt zum Community Gedenkort Magnus-Hirschfeld-Platz. Grund war der queerfeindliche Angriff auf den Transmann Malte, der wegen seiner Zivilcourage am Rande des CSD Münster selbst Opfer wurde und nun am ersten September-Freitag seinen schweren Sturz-Verletzungen erlegen ist. Zahlreiche Rede-Beiträge, u.a. von Josephine Taucher (Trans-Ident e.V.), Bastian Brauwer (CSD Nürnberg), Verena Osgyan (Bündnis90/ Grüne, MdL), Lukas (Jugendinitiative Fliederlich), Klaus-Dieter Röse (Die Linke), Luca Fabièn-Dotzler (Bündnis90/ Grüne) wurden ergänzt durch viele spontane Bekundungen. ... +++ Zum Bericht & Bildergalerie auf der DOKU-Seite +++

+++ 03.10. NDR 22:00 Unsere SuperheldInnen! - Sechs für die Zukunft - Doku // 23:00 MDR Straigth outta Crostwitz - Spielfilm +++ 06.10. ONE 22:00 Mord mit Aussicht: Einer muss singen - Krimi +++ 08.10. ZDFNEO 14:55 Terra X: Deutschland in den Goldenen Zwanzigern - Doku +++

Das war die Rosa Trachtennacht auf dem Nürnberger Herbstvolksfest!

NÜRNBERGER HERBSTVOLKSFEST:

Frankengaudi

Super Stimmung und viel Freude beim Rosa Montag / Rosa Trachtennacht im Festzelt Papert am ersten September-Montag auf dem Nürnberger Herbstvolksfest! Nach zwei Jahren Pause nun auch wieder in der Herbst-Ausgabe. Nachdem die Parallel-Veranstaltung in der zweiten großen Zelthütte auf dem diesjährigen Rosa Montag des Frühlingsfestes für vielfaches Unverständnis nicht nur in der Community sorgte, konzentrierte man das Event in der für Nürnberg seit mehr als zehn Jahren bewährten Weise auf einen Spielort. Auch wenn die Stimmung diesmal erst so richtig in der zweiten Hälfte an Fahrt gewonnen hat, die Travestie-Show-Stars Jessica Ravell & Friends waren wieder die bunten Bonbons an dem Abend. Neben dem Bühnenprogramm sorgten sie zeitweise auch inmitten des Publikums für herzhaftes Lachen.  ... +++ Zum vollständigen Bericht mit Bildergalerie +++

Titelbild des Monats:

PRIDE Monate Juni & Juli - 11 Jahre Pressebilder GAYCON.DE

GAYCON TITELMODELS:

Titelbild

Vermutlich ab 2022 wollen wir unsere GAYCON Titelbild-Reihe mit selbstbewussten Models aus der queeren Community neu starten! Wie immer mit jahreszeitlichen Motiven aus dem Stadtgebiet Nürnberg oder der Region. Wer Lust hat, sich alleine oder zu zweit (Paar & Freundschaft) von uns in einem Foto-Shooting ablichten zu lassen, kann sich ab sofort wieder bei uns melden. Entweder persönlich, per Facebook oder per E-Mail unter info@gaycon.de! (Bitte mit Foto) Wir freuen uns auf LSBTTIQ*-Bewerbungen - Euer GAYCON Team

+++ Weiter Infos auch auf unserer MISS & MR GAYCON WAHL SEITE +++

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