#Gedenkstätte flossenbürg

Chronologisch von oben nach unten: Denkmal ist finanziert, Gedenkakt & Einweihung Gedenkstele in Flossenbürg 2022, Vorstellung Gedenkstein, Vernissage Ausstellung Egidienkirche 2020

Mit einer neuen Spendenaktion bis Ende Februar konnte die Lücke zur Finanzierung des Denkmals für die Männeropfer des §175 in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg geschlossen werden! (Fotos: GAYCON Archiv/ Fliederlich)

Danke

Das Denkmal ist finanziert

Flossenbürg: Frohe Botschaft vom Fliederlich Verein. Das Denkmal für die Männeropfer des §175 in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg ist komplett finanziert! Mit zahlreichen Aktionen wurden bis Herbst 2020 schon zwei Drittel der Summe von den Gesamtkosten über 6000 Euro von der queeren Community eingenommen. Die Einweihung des Denkmals war eine von Uschi Unsinns Herzensangelegenheiten und ihr letzter öffentlicher Auftritt. „Wir verlieren einen Menschen, der sich mit Herzblut für die queere Community einsetzte“. Fliederlich e.V., Förderverein CSD Nürnberg e.V., AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth e.V. und Radio Z hatten deshalb Mitte Februar zu einer neuen Spendenaktion zur Finanzierung der Stele aufgerufen. Mit großem Erfolg: Bis Ende Februar kam die fehlende Summe des Denkmals zusammen. Queer Aktivist Uwe Scherzer alias Uschi Unsinn war einer der Initiatoren des Projektes. Hintergrund: Im Konzentrationslager Flossenbürg wurden mindestens 379 Männer von der SS als Homosexuelle registriert. Nachweislich 95 von ihnen starben im Lager. Sie waren nicht nur gewalttätigen Übergriffen durch die SS ausgesetzt, sondern wurden auch durch andere Insassen bedroht. Das queere Zentrum Fliederlich e.V. hatte es sich zusammen mit der queeren Community in Nürnberg und Umgebung zur Aufgabe gemacht, diesen Menschen ein Denkmal in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zu setzen. (NK)

 

GAYCON März 2022

Gedenkakt in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg mit Einweihung des Denkmals für die Männeropfer des §175 - Mit Karl Freller, Bastian Brauwer und Ilse Aigner (Fotos: Bildarchiv Bayerischer Landtag, Fotograf Rolf Poss)

„Es ist unsere Pflicht, an die Opfer zu erinnern“

Gedenkakt und Einweihung der Gedenkstele für die Männeropfer des §175 in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

In einem gemeinsamen Gedenkakt des Bayerischen Landtags und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus am vierten Januar-Mittwoch, lag der thematische Schwerpunkt  in diesem Jahr auf Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden. Die durch die Pandemie bedingt zweimal verschobene Einweihung des Denkmals für die Männeropfer des §175 ist nun mit einer Kranzniederlegung vollzogen worden. Der BR übertrug Live aus Flossenbürg. Wir sprachen im Vorfeld in einem online Interview mit Karl Freller (MdL, CSU), Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und Vizepräsident des Bayerischen Landtags, über seine langjährige Motivation dem Thema gegenüber. Außerdem mit Bildhauer Bastian Brauwer, welche Emotionen er bei der Produktion und Aufstellung der Gedenkstele persönlich erlebt hat.

 

Im Bezug zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus, weltweit unter dem Namen Internationaler Holocaust Gedenktag bekannt, zur Befreiung der Konzentrationslager in Auschwitz durch die Rote Armee am 27.01.1945, fand nun der Bayerische Gedenkakt in Flossenbürg statt. „Dass wir an die verfolgten Homosexuellen, nach dem §175 Verurteilten erinnern, hängt damit zusammen, dass ich der Auffassung bin, dass es unsere Pflicht ist, an alle Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Dazu gehört auch diese Gruppe, weil sie extremes Unrecht erlitten hat, weil sie auch zusätzlich in den Konzentrationslagern mit am schlechtesten behandelt worden ist. Ich meine, diese Opfer dürfen genauso wenig vergessen sein wie alle anderen. Deshalb ist es richtig, dass wir als Stiftung Bayerische Gedenkstätten unser Augenmerk darauf richten und dies mit einer eigenen Veranstaltung tun“, betont Karl Freller. „Wir hatten vor zwei Jahren die erfreuliche Meldung, dass Herr Brauwer ein sehr schönes Denkmal an die Opfer gestaltet hat und dass es eingeweiht werden sollte. Kompliment an den Bildhauer! Es war schon alles vorbereitet für 2020. Durch Corona hat sich das nun zweimal verschoben. Jetzt habe ich gedacht, es macht Sinn, dass wir alles einbinden. Die zentrale Veranstaltung des Bayerischen Landtages, gepaart mit der Vorstellung des wichtigen Denkmals, um damit ein deutliches Zeichen zu setzen, dass diese Opfergruppe in gleicher Weise ein Anliegen ist wie jede andere Opfergruppe auch.“ Karl Freller ist der Auffassung, dass sich das Klima in der Gesellschaft in weiten Teilen schon bekehrt hat, aber immer noch Handlungsbedarf besteht. „Es ist für mich aus menschlicher, sage sogar aus christlicher Sicht, ein Unding, wenn man Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung möglicherweise verachtet, ihnen Rechte abspricht oder sie nicht leben lässt, wie sie leben möchten. Deswegen war ich schon seit vielen Jahren beim Thema sensibel und bin es immer mehr geworden.“

Karl Freller, MdL, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und Vizepräsident des Bayerischen Landtages (Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag, Fotograf Rolf Poss)

Denkmal

Leider ist wegen der aktuellen Pandemie keine große Präsenz möglich, sonst wären bis zu 300 Gäste beim Festakt dabei gewesen. Das Denkmal ist eine gute Geschichte und beinhaltet die Chance, die NS Opfer des §175 ausreichend zu würdigen. „Es war nicht gut, einen Paragraphen, der so viel Unheil angerichtet hat, der so viele Tote letztlich gefordert hat, Menschen die über Jahrzehnte dadurch eingesperrt waren, stehen zu lassen. So viele Einzelschicksale, die selbst nach der Befreiung von Flossenbürg eine Haftstrafe fortsetzten mussten“, bedauert Karl Freller die Geschichte. „Man kann es im Nachhinein nicht mehr erklären, es ist der Zeitgeist aus dem letzten Jahrhundert, den wir alle nicht mehr wollen. Plus Scheuklappen-Denken nach dem Krieg. Ich hoffe, dass sich die Gesellschaft weiterentwickelt und dass sich das ureigene bayerische Lebensmotto ‚Leben und leben lassen‘ auch so verwirklicht.“ Viel wichtiger ist es, an Opferorten zu gedenken als an Täterorten. In den Konzentrationslagern wurden Menschen abgeschlachtet. Deshalb sei jeder Opfer-Gedenkstein wichtiger als ein Täterstein auf einer Tribüne oder ähnliches.

 

Lebensfröhlichkeit

Schon vor rund zehn Jahren übernahm Karl Freller ein öffentliches Statement als erster Politiker der CSU beim CSD in Nürnberg. „Ich habe wiederholt als Abgeordneter sprechen dürfen beim Christopher Street Day in Nürnberg. Das war für mich auch eine sehr wichtige und gute Erfahrung, auch die vielen Kontakte und Gespräche mit einzelnen Personen. Was mir dann wirklich gefallen hat bei diesem CSD, dass hier Menschen sind, die diese Demokratie bejahen und dazu stehen. Dass sie ihr Leben privat leben möchten, wie sie es wollen, fröhlich feiern, was kam man da dagegen haben“, erinnert sich Freller. „Diese Feiern sind bunt, fröhlich, lebensfroh. Es ist ein Stück der Wunsch, dass Menschen ihr Leben froh leben können. Deswegen meine ich, ist es auch gut, dass wir das Ganze so normalisieren, so zur Selbstverständlichkeit werden lassen, dass das irgendwann kein Thema mehr ist. Es freut mich, dass in jüngeren Umfragen 80 Prozent die Homosexualität akzeptieren. Große Sorge bereit mir, dass es noch viele Länder mit Todesstrafe gibt.“ Es gab anfangs aber auch böse Zuschriften und Kritik aus der konservativen Ecke über Frellers Teilnahme als CSD-Redner. Nicht alle sind immer damit einverstanden, was er sagt. Ebenso störte ihn, dass er lange Zeit der einzige Vertreter aus seiner Partei vor Ort war. Doch das hat sich ebenfalls geändert. Inzwischen gibt es auch keine Differenzen mit Kollegen mehr. „Man muss den Mut haben, etwas weiter zu denken. Das ist eine Lebenseinstellung.“ Dass jetzt mehr junge Kollegen in seiner Partei offen mit ihrer Sexualität umgehen, freut ihn. Ebenso, wie er sich begeistert zeigt vom bunten, friedlichen Feiern auf dem Jakobsplatz. Aus dem familiären und persönlichen Umfeld sind ihm viele queere Menschen bekannt, zu denen er eine gute Beziehung hat. Wie etwa ein Männerpaar, das eine hervorragende Elternrolle ausübt und den Status nun von der Pflege-Elternschaft zur Adoption vollziehen möchte. „Ich bin der Auffassung, dass wir in Deutschland auf einem guten Weg sind, dass wir eine weitaus größere Akzeptanz in der Bevölkerung haben als noch vor 20 / 30 Jahren“, meint Freller. „Mir ist im Laufe der Zeit bewusst geworden, dass diese Gesellschaft gut daran täte, eine Offenheit, eine Gleichberechtigung in diesem Bereich zu forcieren, wie letztendlich eine tolerante Gesellschaft zu sein hat. Ich bin der Auffassung, dass die Menschen so leben sollten, wie sie leben wollen und hier in diesem Bereich der Geschlechtlichkeit keine Einschränkungen oder gar Gesetzesvorgaben gemacht werden, die einfach nicht mehr in die Zeit passen.“

Bastian Brauwer, Bildhauer und Vorsitzender des CSD Nürnberg. (Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag, Fotograf Rolf Poss)

Herzens-angelegenheit

Steinmetz und Bildhauer Bastian Brauwer hat die Gedenkstele erschaffen. Gleichzeitig ist er auch Vorsitzender des CSD Fördervereins in Nürnberg. Damit schlagen gleich zwei Herzen in seiner Brust, neben dem des Künstlers auch eines als Queer-Aktivist für die Community. Zur Entwicklung des Denkmals berichtet er, dass ihm die KZ-Geschichten eiskalte Rückenschauer verursachten. Tatsächlich spielten viele persönliche Gedanken bei der Entwicklung und Erschaffung mit hinein, deshalb ist ihm das Werk eine Herzensangelegenheit. Manche Gedenksteine erinnern eben an außergewöhnlich tragische Schicksale. „Bei der Suche nach einem passenden Aufstellort in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg im Januar / Februar 2020 war es dort vor Kälte kaum auszuhalten. Ich empfand das wie gefühlte 30 Grad minus. Gleichzeitig kam mir die Vorstellung zu den KZ-Häftlingen mit ihrer dürftigen Kleidung in den Sinn. Ein solches Denkmal zu erstellen, passiert nicht alle Tage. Für mich bisher einmalig in meiner 20-jährigen Berufslaufbahn. Es ist nicht vergleichbar mit der alltäglichen Arbeit. Aber es zeigt auch, dass wir in einer kurzen Planungszeit viel erreichen können“, betont Bastian. Zahlreiche Aspekte waren im Vorfeld für ihn zu erfüllen. Das fing bei der Wahl des Materials an, das eben kein harter Granit aus Flossenbürg sein sollte, aber der dortigen rauen Witterung auf Dauer standhalten muss. Auch deshalb entschied er sich für Wachenzeller Dolomit. Für die Form des Steins wählte er das symbolische gleichseitige Dreieck des Rosa Winkels, den die Häftlinge tragen mussten. Die Beschriftung sollte zurückhaltend sein und zum Näherkommen animieren. „Als Bildhauer fühle ich Respekt vor der Aufgabe, Dankbarkeit, so etwas machen zu dürfen. Stolz wäre ein falscher Begriff. Als Vorstand des CSD Vereins Nürnberg fühle ich ein Stück Zufriedenheit dabei, ein würdiges Erinnern zu schaffen. Ich bin aber auch in ein gemachtes Nest gefallen. Mein Amtsvorgänger Dieter Barth, sowie Uschi Unsinn und Ralph Hoffmann sind viele schwierige Schritte vorausgegangen. Als Queer-Aktivist fühle ich mich am Ziel.“

 

Text: Norbert Kiesewetter

Fotos: Bildarchiv Bayerischer Landtag, Fotograf Rolf Poss

GAYCON Januar 2022

 

+++ Der TV-Beitrag des Bayerischen Rundfunks ist weiterhin in der Mediathek abrufbar. +++

Hintergrund §175

Der § 175 des deutschen Strafgesetzbuches existierte vom 1. Januar 1872 bis zum 11. Juni 1994. Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe. Insgesamt wurden etwa 140.000 Männer nach den verschiedenen Fassungen des §175 verurteilt. Am 01. September 1935 verschärften die Nationalsozialisten den Paragraph, u.a. durch Anhebung der Höchststrafe von sechs Monaten auf fünf Jahre Gefängnis. Für bestimmte „erschwerte Fälle“ gab es bis zu zehn Jahren Zuchthaus. Der Tatbestand wurde von beischlafähnlichen auf sämtliche „unzüchtigen“ Handlungen ausgeweitet. Nach dem Krieg hielt die Bundesrepublik Deutschland zwei Jahrzehnte lang an der verschärften Form fest. Erst 1969 und 1973 gab es Reformen. Seitdem waren nur noch sexuelle Handlungen mit männlichen Jugendlichen unter 18 Jahren strafbar, wogegen das Schutzalter bei lesbischen und heterosexuellen Handlungen bei 14 Jahren lag. Erst nach der Wiedervereinigung wurde 1994 der §175 auch für das Gebiet der alten Bundesrepublik ersatzlos aufgehoben.

Die DDR kehrte 1950 zur alten Fassung des §175 zurück. Ab Ende der 1950er Jahre wurden homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen nicht mehr geahndet. 1968 setzte die DDR ein komplett neues Strafgesetzbuch in Kraft, das in §151 gleichgeschlechtliche Handlungen mit Jugendlichen sowohl für Frauen als auch für Männer unter Strafe stellte. Mit Wirkung vom 01. Juli 1989 wurde dieser Paragraph ersatzlos gestrichen.

 

(Quelle: Wikipedia)

Sichtbares Zeichen zum Gedenken an die homosexuellen Opfer in der Gedenkstätte Flossenbürg: Steinmetz Bastian Brauwer mit dem Entwurf, Julius Scharnetzky (Gedenkstätte) und Michael Glas (Fliederlich)

Gedenkstein

Bei der Informationsveranstaltung zum geplanten Denkmal für die Männer, die als Homosexuelle im KZ Flossenbürg inhaftiert waren, erschien am dritten Februar-Donnerstag viel interessiertes Publikum aus der queeren Community im Nürnberger Fliederlich-Zentrum. Der wissenschaftliche Mitarbeiter Julius Scharnetzky von der Gedenkstätte gab einen historischen Abriss der Verfolgung schwuler Männer in der Zeit der Nationalsozialisten. Anschließend wurde das geplante Denkmal von Steinmetz Bastian Brauwer vorgestellt.

 

Durch die Verschärfung des §175 im Jahr 1935 war jede körperliche „gleichgeschlechtliche Handlung“ strafbar, sogar bloßes Anblicken oder Berühren führte zur Verfolgung. In der Ideologie der NS-Zeit sollten Körper gesund und stark sein, Homosexuelle gehörten nicht dazu. Den Untergang des alten Griechenlands stellte man sich als Folge homosexueller Lebensart vor. Deshalb hatten die Nazis auch die Befürchtung, Homosexuelle könnten irgendwann an politischen Schaltstellen die Macht übernehmen und auch die Auslöschung des deutschen Volkes herbeiführen. Außerdem entzögen sie sich bewusst der Fortpflanzung. Maßgeblich für die Verschärfung der Verbrechen an Schwulen kam eine Verschiebung des Machtgefüges innerhalb der NSDAP hinzu, die Homophobie eskalierte. Die Überzeugung, dass lesbische Frauen als heilbar durch Geschlechtsverkehr angesehen wurden, hielt deren Opferzahlen im Vergleich sehr niedrig. Ebenso wurde Homosexualität in annektierten Ländern weniger scharf verfolgt, denn dort war die Dezimierung durch Nicht-Fortpflanzung willkommen. 70.000 Verurteilungen homosexueller Männer sind mit Akten protokolliert. Nach Schätzungen sind davon etwa 5.000 bis 10.000 in den Konzentrationslagern umgebracht worden. Nach Protokollen waren im KZ Flossenbürg 378 Männer als vergleichsweise kleine Haftgruppe untergebracht, davon sind 25% dort gestorben. Im Vergleich lag die Sterbequote in anderen Lagern bei 50%.

Gedenken der homosexuellen Opfer mit Kranzniederlegung im "Tal des Todes" der Gedenkstätte Flossenbürg

Probleme der Forschung

Weil der §175 nach 1945 unerträglich lange seine Gültigkeit nicht verlor, hatte niemand Interesse daran, die homosexuellen Opfergeschichten zu hören. „Deshalb gibt es nur ganz wenige schriftliche Erinnerungen. Es ist kein Rosa Winkel im Original aus der Zeit erhalten geblieben, viele Opfer wollten sich nach der Befreiung schützen“, erzählt Scharnetzky aus seiner Forschungsarbeit. „Nach unseren Erkenntnissen sind sie nicht vergessen, es war eine nicht gewollte Opfergruppe.“ Homosexuelle Gefangene wurden nicht nur von der SS, sondern auch von anderen Gefangenen in den Lagern bedroht und waren von überlebenswichtigen Positionen ausgeschlossen. Absichtlich wurden Vorurteile zwischen allen Insassen geschürt, auch deshalb die Idee der Nazis mit den verschiedenen Winkel-Markierungen: Die Struktur der Endsolidarisierung gegeneinander. Nur so war es möglich, dass 3000 Gefangene von 300 Wärtern in den Lagern kontrolliert werden konnten. Manche Homosexuelle gingen Zwangsbeziehungen etwa mit dem Blockältesten ein, um zu überleben. So sicherten sie sich eine notwendige Essensration. Sie begaben sich damit aber auch in eine lebensbedrohliche Abhängigkeit, ein Bekanntwerden wäre das Todesurteil gewesen. „In eigenen Reihen gingen die Nazis ebenfalls streng vor. Nach unseren Protokollen wurde ein hochrangiger SS-Offizier ebenfalls wegen §175 nach Flossenbürg inhaftiert“, berichtet Scharnetzky. „Ein Täter wurde zum Opfer.“  Weil die Gefangenen im Konzentrationslager Flossenbürg bei Weiden im Oberpfälzer Wald mit Steinbrucharbeiten, also mit viel Schmutz und Staub zu tun hatten, wurde der Rosa Winkel ab 1941 dort abgeschafft. Die rosa Farbe war nicht mehr zu erkennen. Deshalb wurde mit einer Mischung aus Schwarzen und Grünen Winkeln mit gelben Strichen gearbeitet. Lange hatte das für Rätsel in der Forschungsarbeit gesorgt.

 

Denkmal

Nun soll in der Gedenkstätte Flossenbürg ein Denkmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus errichtet werden. Auch viele Nürnberger Schwule waren darunter. Ein Prisma aus Wachenzeller Dolomit in Dreiecksform mit einer Höhe von 170 cm soll es nun werden. Als Erinnerung an die Häftlingswinkel wird der Stein so abgeschrägt, dass die Schnittstelle ein gleichseitiges Dreieck darstellt. Ein polierter Feinschlief wird diese Fläche glatt ausfallen lassen, während die Säule insgesamt in poröser Oberfläche bleibt. Ursprünglich sollte ein rosa Jura verwendet werden, doch nach der aktuellen Forschung, dass einerseits die rosa Winkel in Flossenbürg abgeschafft wurden und dass andererseits Juragestein für die frostigen Winter in Flossenbürg weniger geeignet ist, änderte Steinmetz Bastian Brauwer die Gesteinsart. Die Gedenkstätte wünscht sich die Aufstellung im Tal des Todes. Ein Mustermodell aus Pappe soll jedoch den genauen Standort abschließend klären, weil das Denkmal im Vergleich zu anderen Erinnerungsstelen sehr filigran ausfällt. Wenn alles reibungslos klappt, wäre die Einweihung dieses Jahr zum 75. Tag der Befreiung im April 2020. Das Denkmal wird rund 6.000 Euro kosten. Die queere Community Nürnberg hat bereits die Hälfte über Spenden gesammelt. Weitere Spenden sind erwünscht.

 

Foto/ Text: Norbert Kiesewetter

GAYCON Februar 2020

Ausstellungseröffnung "Schwules Leiden im KZ Flossenbürg" in der Nürnberger Egidienkirche: Mit Pfarrer Thomas Zeitler, Kurator Prof. Hans Simon Pelanda und Organisatorin Uschi Unsinn

Vernissage

Am letzten Januar-Freitag wurde die beachtenswerte Ausstellung „Schwules Leiden im KZ Flossenbürg“ in der St. Egidien-Kirche (Egidienplatz 12) eröffnet. Rund 80 Gäste verfolgten die bewegende Vernissage mit Konzert. Kurator Prof. Hans Simon Pelanda war ebenfalls zu Gast. Musikalisch umrahmt hat das Ensemble Einklang u.a. mit Werken wie der Mauthausen-Kantate von Mikis Theodorakis, Musik aus dem KZ Theresienstadt und einer Eigenkomposition von Marcel Rode. In der beeindruckenden Akustik der St. Egidienkirche kam die Aufführung besonders zur Geltung. Zwischen den Musikstücken zitierte Michael Aue detailreiche schreckliche Erlebnisse schwuler Männer aus dem Buch „Die Männer mit dem Rosa Winkel“. An dieser Stelle wurde sicher jedem Anwesenden noch mehr bewusst, wie wichtig das Erinnern ist. Die Ausstellung zeigt Werke der beiden Künstler Hugo Walleitner und Richard Grune, die wegen ihrer Homosexualität im KZ Flossenbürg inhaftiert waren und ihre Erfahrungen nach 1945 künstlerisch verarbeiteten. Im KZ standen die Gefangenen mit dem „Rosa Winkel“, mit dem sie wegen ihrer Homosexualität nach dem § 175 verfolgt, gefangen genommen und stigmatisiert wurden, in der Hierarchie auf der untersten Stufe. Oftmals wurden sie zusätzlich gequält und besonders schikaniert. Der Maler Richard Grune (1903-1983), ein Bauhausschüler u.a. bei W. Kandinsky und P. Klee, sowie der österreichische Designer und Zeichner Hugo Walleitner (1909-1982) schufen mit ihren Lithographien und Zeichnungen beeindruckende Zeugnisse ihrer eigenen, aber auch der Erfahrungen anderer Leidensgenossen mit Demütigung, Erniedrigung und schließlich Ermordung vieler Kameraden. Organisiert wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der „Arbeitsgemeinschaft ehem. KZ Flossenbürg e. V.“ dem Bündnis gegen Trans- und Homophobie und dem queeren Zentrum Fliederlich e. V. +++ Öffnungszeiten täglich bis 23. Februar 2020 von 11:00 bis 16:00 Uhr. +++

Wirt Holger Stark erfreut: die renovierte Stube im Areal Burgersgarten (Foto: GAYCON.DE)

COMMUNITY REGION:

Roomlifting im Burgersgarten

Schwabach: Am dritten August-Samstag lud Wirt Holger Stark seine Stammkundschaft zur Einweihung der neu gestalteten „Wilderer Stube“ im Wirtshaus Areal Burgersgarten Schwabach (Badstr. 24) ein. Für einige Wochen war die Stube deshalb eine kleine Renovierungs-Baustelle. Wobei Holger den Plan mehr oder weniger spontan umgesetzt hat. „Ich saß in der Stube und mir wurde plötzlich der Unterschied zu den im Frühjahr frisch renovierten Toiletten bewusst, dass der Raum hier ebenfalls eine Auffrischung braucht“, denn schon länger waren ihm die vielen Stromkabel an den Wänden ein Dorn im Auge. Alles an den Wänden flog erstmal raus, wie die Regalrundum-Bierkrugsammlung, die rotweißen Vorhänge und zahlreiche Vintage-Schilder, nur die Wandbänke und Tische blieben...

+++ Zum Bericht mit Bildergalerie auf der INTERVIEW-Seite +++

Das war der CSD Nürnberg 2026! (Foto: GAYCON.DE)

COMMUNITY NÜRNBERG:

Das war der CSD Nürnberg 2026

Es war sensationell! Unter dem Motto „Nürnberg liebt!“ fand unter blauem Himmel und bei Sommertemperaturen der Höhepunkt des Nürnberger Christopher Street Day 2026 statt. Auf der Polit-Demonstration am zweiten August-Samstag zeigte die queere Community aus der Region mit 20.000 Demoteilnehmenden auf der Postkarten-Strecke durch das Herz der Nürnberger Altstadt, vom Rathenauplatz über Rathaus, Maxbrücke mit Weinstadl, Unschlittplatz, Jakobsplatz, mit vielen jubelnden Zuschauenden, deutliche Präsenz auf den Straßen. Über 60 Gruppen hatten sich im Vorfeld für die aktive Teilnahme angemeldet und zeigten bunte Sichtbarkeit. Sie ließen sich nicht einschüchtern von dem Anschlag in Berlin, sondern im Gegenteil - jetzt erst recht - besuchten alle die zahlreichen CSDs in Deutschland....

+++ Hier geht´s zum Bericht mit Bildergalerien CSD Demo, CSD Finale Tag 1 und Tag 2 auf der DOKU-Seite +++

CSD Polit Talk in der Pigalle (Foto: GAYCON.DE)

COMMUNITY NÜRNBERG:

CSD Polit Talk in der Pigalle Schlagerbar

Antonio stellte wieder seine Pigalle für den traditionellen Polit-Talk zur Verfügung. Bei herrlichem Sommerwetter am ersten August-Donnerstag lauschten etwa 40 Zuhörende Open Air den Ausführungen von Titus Schüller (Die Linke), Claudia Hammer-bacher (Bündnis 90/ Die Grünen), Anil Altun (SPD) und Marion Grether (CSU) aus dem Nürnberger Stadtrat. Nachdem sich die finanziellen Rahmen-bedingungen weiter verschlechtert haben, verhängte die Stadt Nürnberg eine Haushaltssperre. Aber alle Parteien waren sich einig, dass das beschlossene Regenbogenhaus für die queere Community kommen soll. Bei der Frage nach Einsparmöglichkeiten gingen die Meinungen auseinander. Moderator Bastian Brauwer… 

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Lesung mit Anette Röckl im Literaturhaus Nürnberg (Foto: GAYCON.DE)

COMMUNITY NÜRNBERG:

Lesung mit Anette Röckl

am ersten August-Montag im Restaurant Literaturhaus Nürnberg. Rund 50 Teilnehmende erlebten einen humorvollen Abend mit viel fränkischem Dialekt. Für Anette immer ein ganz besondere Lesung, eine Veranstaltung für die queere Gemeinschaft. Da ist sie immer ein bisschen aufgeregter als sonst, damit alles klappt, besonders im Beisein all ihrer Freundinnen bei diesem Event.  Coole Katzen, schwule Motten und Hobbylesben. Nicht zu vergessen die Lesben-Typologie. Niemand ist vor ihrer Beobachtungsgabe sicher. Es gab neben den „Best of“-Texten aus ihren Büchern auch Zeilen, die es noch nicht in ein Buch geschafft haben. Genauso Anekdoten aus ihrem Leben, wo sie beispielsweise als Schauspielerin vorgesprochen hatte... +++ Hier geht´s zum Bericht & Bilder auf der DOKU-Seite +++

Das war der Pop-up Salon 2026 "Hair for Care" im Rosegardens Nürnberg (Foto: GAYCON.DE)

COMMUNITY NÜRNBERG:

„Hair for Care“ im Pop-up Salon

Oliver und Michael luden zur Benefiz-Haarschneide-Aktion „Hair for Care“ am ersten August-Montag im Pop-up Salon Rosegardens (Vordere Sterngasse 24), unter drei großen Schirmen in der Fußgängerzone vor ihrem Laden, bei schweißtreibenden Hochsommer-Temperaturen ein. Insgesamt sechs Haarkunst-schaffende schnitten und föhnten von neun bis zwanzig Uhr an insgesamt 80 Köpfen zugunsten des ASB Wünschewagens. Mit „externen Spendern“, die ohne Haarschnitt vorbeischauten, kam im Spendenglas die Summe von 3.600 Euro zusammen...

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Auslosung der CSD Nürnberg Demo Positionen bei den RadioGays (Foto: GAYCON.DE)

COMMUNITY NÜRNBERG:

Demo-Positionen CSD Nürnberg

Zum zehnten Mal wurden die CSD Nürnberg Demo-Positionen in der Sendung der RadioGays bei Radio Z ausgelost. In diesem Jahr am letzten Juli-Donnerstag. Zum Jubiläum mit ganz viel Publikum: Rund 40 liebe Menschen aus zahlreichen Gruppen schauten vorbei, verteilten sich auf das Studio, die Gänge und Küche. Lukas war als „Außenreporter“ in der Küche positioniert und lieferte von dort Live-O-Töne. Unter anderem waren Vertretende von Omas gegen Rechts, Dyke*March Nürnberg... +++ Hier geht's zum Ergebnis & Bilder auf der DOKU-Seite +++

Deep Talk About Sex mit Hans Berlin im Soft Spot Club (Foto: GAYCON.DE)

COMMUNITY NÜRNBERG:

Deep Talk About Sex

mit Hans Berlin am letzten Juli-Donnerstag im Soft Spot Club vom Künstlerhaus. Rund 40 Teilnehmende lauschten der Lebensgeschichte des Pornostars. Hans Berlin alias Florian Klein outete sich 2016 als HIV-positiv und tourt seitdem auch mit seiner Geschichte besonders im Sommer für die AIDS-Hilfen durch deutsche Städte. Der gebürtige Oberbayer lebt seit 2002 in den USA / New York, ist aber auch oft in Berlin. Mit den neuen Medikamenten ist die Schutz-möglichkeit vor HIV in Tablettenform zum klassischen Kondom dazugekommen. PrEP sowie das Internet haben die Sex Branche gewandelt. Florian, der selber seit Jahren durch Therapie unter der Nachweisgrenze liegt, geht mit diesem Thema offen um...

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TV-Tipps

+++ 24.08. VOX 18:00 Uhr First Dates - Ein Tisch für zwei: Hannah & Laura - Kuppel Show // 22:15 Uhr RBB Der Bozen-Krimi: Familienehre - Krimi // 0:30 Uhr TAGESSCHAU24 Junge Roma heute - Doku +++ 25.08. ZDFINFO 17:15 Uhr Die Armee schwuler Krieger (1 & 2) - Doku // 20:15 Uhr RBB CSD under attack - queere Menschen wehren sich - Reportage // 20:45 Uhr RBB Der Talk: Hass gegen queere Menschen - was muss jetzt passieren? - Talk // 02:00 Uhr ZDFINFO Tabu - Was es in der DDR nicht geben durfte - Doku // 02:45 Uhr ARTE Helmut Berger  - Mein Leben - Doku +++ 26.08. VOXUP 19:20 Uhr Lie to me: Glut und Asche - Krimi // 22:45 Uhr RBB Capital B - Wem gehört Berlin? Arm, aber sexy! - Doku +++ 27.08. ZDFNEO 23:35 Uhr Young Sex - Wie liebt die Gen Z? (1 - 3) - Doku // 23:45 Uhr WDR Enkel für Anfänger - Spielfilm +++ 29.08. 3SAT 22:30 Uhr Die New Yorker Nachtclub Ikone aus Bern - Doku +++

Das war der Pink Monday beim Brez'nwirt (Foto: GAYCON.DE)

COMMUNITY NÜRNBERG:

Das war der Pink Monday auf der Ziegelsteiner Kärwa

Super Stimmung und viel gute Laune beim „Pink Monday“ am vierten Juli-Montag auf der Ziegelsteiner Kirchweih im großen Biergarten der Grünen Au Zum Brez’nwirt (Ziegelsteinstr. 195). Festwirt Hasan lud nach einem Jahr Pause wieder zum Rosa Montag ein. Zahlreiche Regenbogen-Fähnchen zeigten deutlich, dass es ihm bei dieser Kärwagaudi nicht nur um den Spaß, sondern auch um ein Bekenntnis zur Unterstützung und zum Zusammenhalt mit der queeren Community geht. Jessica Ravell & Friends begeisterten mit einer bunten Show, mit einem fliegenden Wechsel der Auftritte in zahlreichen Kostümrollen... +++ Zum Bericht & Bildergalerie Gastro-Seite +++

Aktuelles Titelbild:

CSD Pride Monate in der Stadt & Region (Foto: GAYCON Archiv)

+++ Hier geht´s zu den früheren Titelbildern der letzten Jahre mit Personen aus der queeren Community: MISS & MR GAYCON WAHL SEITE +++

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