Männerhochzeit auf dem Nürnberger Herbstvolksfest - Gottlob Braun mit seinem Mann Carsten

Männerhochzeit im Autoskooter

Premiere am Nürnberger Volksfest. Mit einer bewegenden Zeremonie wurde am Vormittag des Rosa Montag eine Homo-Ehe im eigenen Autoskooter geschlossen. Gottlob Braun (50) und sein langjähriger Freund Carsten (43) gaben sich nach zwölf Jahren „wilder Ehe“ das Ja-Wort. Das Paar wählte bewusst diesen symbolischen Tag, denn das Thema schwule Schausteller wird bis heute in der Branche eher als Tabu angesehen. Diesem Zustand möchte das Paar mit seiner Hochzeit direkt am Festplatz eine neue Richtung geben.

 

Schon seit einigen Jahren feiert die Nürnberger Community im Papert Festzelt traditionell die Rosa Trachtennacht, immer am zweiten Montag im Volksfest-Kalender. Das Zelt ist besser besucht als an manch anderen Tagen. Am restlichen Platz herrscht dagegen leider das allerorts übliche Montagsgähnen. Gottlob sorgte für Aufsehen unter den Schaustellern, weil er aktuell Regenbogenfahnen an seinem Autoskooter aufhängte. „Ich wünsche mir, dass künftig zu diesem Tag große Regenbogenfahnen an den Haupteingängen gehisst werden, wie beim CSD am Nürnberger Rathaus. Es braucht doch keine rosa Luftballons auf dem ganzen Festplatz, um ein Zeichen zu setzen“, betont Gottlob, der von allen liebevoll nur Gogo genannt wird. In Tracht und vor einem Freiredner gaben sich die beiden nun das Ja-Wort. Zur Musik von Marianne Rosenberg bis Helene Fischer und mit einem kulinarischen Abschluss freuten sich viele Angehörige, Freunde und Bekannte mit dem glücklichen Paar. Schon vorher war die Neugierde im Schaustellerdorf groß. „Mal sehen, wer sich traut, der Einladung zu folgen.“

Das Männerpaar ist seit 12 Jahren zusammen

Einmal Schausteller, immer Schausteller

Am Nürnberger Frühlingsfest 2003 hatten sich die beiden kennengelernt. Aber von Romantik keine Spur, sondern Schaustelleralltag pur? „Ich war in meinem Schießwagen. Carsten verbrachte die ganze Zeit auf dem Festplatz, lief öfter an mir vorbei, weil er bei Kollegen ausgeholfen hatte. Nach der ersten Unterhaltung fand ich, er sei nur ein kleines Arschloch. Doch Tage später flogen plötzlich die Funken“, erinnert sich Gottlob. „Wir sind in den zwölf Jahren durch Höhen und Tiefen gegangen. Viele Erlebnisse haben uns beiden Nerven gekostet, aber auch zusammengeschweißt. Deswegen wollte ich schon länger, dass wir unsere Partnerschaft nun besiegeln.“

Gottlob stammt aus einer ‚halben‘ Schaustellerfamilie. Die väterliche Linie reicht zurück auf Gaukler und Artisten. Dann folgte das Schaustellen mit Schiffschaukel und Schießbude. „Eigentlich wollte mein Vater damals noch ein Kinderkarussell kaufen, stattdessen kam ein Autoskooter aus Holz. Schon als ich zwei Jahre alt war, wurde der Skooter durch die aktuelle Ausgabe ersetzt. Noch heute touren wir mit den Verlosungs-, Schieß- und Mandelwagen und dem Skooter durch Bayern. Die Schiffschaukel hat mein Bruder bekommen.“ Alle Geschwister hatten die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen. Gottlobs älterer Bruder hat sich für das KFZ-Handwerk entschieden, sein jüngerer Bruder ist Schausteller mit Leib und Seele. Er selbst wollte mit 17 nach England, um Sprachen zu studieren. Doch als der Vater einen Herzinfarkt erlitt, blieb er bei der Familie. Nach dem Tod des Seniors 1995 übernahm er den Betrieb und führt ihn bis heute weiter.

Homosexualität ist unter Schaustellern ein Tabu

Coming out

Dass schwule Männer als Bedienungspersonal auf dem Volksfest gerne gesehen sind, ist ein offenes Geheimnis, weil sie charmanter mit den Gästen umgehen. Aber wenn es direkt in die Schaustellerfamilien hinein geht, wird über das Thema zu oft geschwiegen. Schließlich braucht man hier ganze Kerle zum Zupacken, da rutschen die Schwulen offenbar tief in das Klischee der Weicheier. „Homosexualität wurde in Schaustellerkreisen lange Zeit als Krankheit angesehen, man könnte sich daran anstecken. Die Festplätze sind wie Dorfgemeinschaften. Außenstehende können nicht wirklich hineinschauen. Den umgangssprachlichen Stempel ‚Bauer‘ bekamen auch die Personen, die nicht aus einer Schaustellerfamilie stammten und einheirateten“, bemerkt Gottlob. Ein Bauer verkörperte vermutlich am Deutlichsten die Sesshaftigkeit im Gegensatz zu den Reisenden. Heute nennt man sie ‚Private‘. „Es gibt einige Schausteller, die aus Druck durch die Familien ihr Schwulsein nur heimlich ausleben können. Aber in den letzten Jahren ist es besser geworden und es ist nicht mehr so extrem. Mit uns gibt es immerhin vier offen schwule Paare auf dem Festplatz.“ Nach der Scheidung von seiner Frau war Gottlob lange Zeit solo. Erst 2000 wurde ihm seine Homosexualität bewusst, als er in Frankfurt während einer Geschäftsreise einen Mann kennengelernt hatte. „Ich lebte all die Jahre in einem Klischee. Ein neues Lebensgefühl erwachte in mir“. Beim Coming out drei Jahre später wurde sein jüngerer Bruder handgreiflich und schmiss Gottlobs Sachen aus dem Wohnwagen mit den Worten: „Da wo deine Sachen liegen, gehören die schwulen Schweine hin!“ Als schwules Paar im Schaustellerbetrieb haben Gottlob und Carsten heute keine Probleme auf den Festplätzen. Manchmal ganz im Gegenteil. Bürgermeister und ein katholischer Pfarrer aus Niederbayern fanden in persönlichen Worten ihr offenes Leben total in Ordnung.

Anschnitt der Hochzeitstorte

Familienzusammenführung

Carsten kommt aus der Mittelstadt Dülmen im Münsterland. In der Handwerkerfamilie machte er zuerst eine Ausbildung im Heizung- und Sanitärfach. „Mit 16/17 bin ich abgehauen, weil ich mich mit Mutter und Bruder nicht verstanden hatte. Als Koch habe ich in Gießen, Frankfurt, München, Spanien und Nürnberg gearbeitet. Im alten Nürnberger Flughafenrestaurant war es eine schöne Zeit. Wir haben gekocht wie die Weltmeister, danach wurde der Tucherhof übernommen“, erinnert sich Carsten. „Dort lernte ich Heinz und Evi mit dem Mandelwagen kennen. Als der Tucherhof 2000 schließen musste, blieb ich beim Mandelwagen auf den Festplätzen. Es war wie eine Familie für mich.“ Schon beim jugendlichen Campen mit Freunden hat es Carsten gefallen, beim Flaschendrehen aus Spaß Jungs zu küssen. Aber mit Mädchen hat er es auch probiert. Bei den Jungs ist er geblieben. Die Eltern wussten jahrelang nicht, was Carsten macht. Das änderte sich, als Gogo seine Familie kennenlernen wollte. Anfangs drängte er Carsten, den telefonischen Kontakt wieder aufzunehmen, danach kam die persönliche Vorstellung. „Gleich in der ersten Nacht hat sich Carsten mit seiner Mutter bis fünf Uhr morgens ausgesprochen. Es ist eine gutbürgerliche Familie und ich wurde herzlich aufgenommen“, erinnert sich Gottlob. „Das Beste war die Oma. Sie wusste offiziell noch nicht, dass wir zusammen waren. Carsten stellte mich ihr am Anfang unserer zehn Urlaubstage als Fahrer vor.“ Am letzten Tag fragte sie die beiden: „Wie lange geht das schon mit Euch? Meinste, ich bin doof und hab‘ das nicht gemerkt?“

 

Fotos/ Text Norbert Kiesewetter

GAYCON September 2015

Bildergalerie Hochzeit von Gottlob & Carsten, Nürnberger Herbstvolksfest - 07. September 2015

Neues Betreiber-Trio für die Bert´s Bar: Thomas Wittmann, Dave Wieser und Adolf Schäfer

BERT´S BAR: Die queere Community darf sich freuen, denn die beliebte Szenebar „Bert´s“ (Wiesenstraße 85) in der Nürnberger Südstadt wurde durch neue Betreiber gerettet! Thomas Wittmann, Dave Wieser und Adolf Schäfer werden die rund 17jährige Bar-Geschichte ab September fortschreiben. Alles riecht nun nach frischer Farbe. Mit Elan hat das Trio die Räume behutsam renoviert. GAYCON blickte hinter die Kulissen und sprach mit dem neuen Team über Motivation und Pläne. Sicher ist, die Bert´s Bar bleibt eine feste Institution und als Szenekneipe erhalten. Für viele Gäste ist sie wie ein zweites Wohnzimmer und bietet seit jeher eine besondere Atmosphäre der Gemütlichkeit, Offenheit und Toleranz. ... Zum vollständigen Bericht auf der INTERVIEW-Seite

Unser CSD Nürnberg Party Video auf YouTube

CSD PARTY VIDEO: Man kann es kaum glauben, aber der Nürnberger CSD ist schon wieder einige Wochen vorbei! Die große traditionelle CSD-Abendparty „Together“ am ersten August-Samstag im Hirsch unter dem Motto „Sei, wie Du bist, und stehe zu Dir! - Egal ob schwul, lesbisch, bi, trans, queer oder hetero: es wird zusammen gefeiert“ war ausverkauft. 1200 Gäste feierten bis in den frühen Morgen. Auch in diesem Jahr haben wir ein kleines GAYCON YouTube Video gebastelt, um sich an den tollen Abend mit unseren Impressionen zu erinnern. Für tolle Stimmung sorgten DJane Dominique Lamee, DJane Nicination, DJ Chris Rodrigues und DJ Supamario. Plus Show mit Electra Pain. Viel Spaß beim Anschauen.

Zur Terrassenübersicht bitte auf das Foto klicken!

GAYCON TERRASSEN SPECIAL: Jetzt in der Sommerzeit von Juni bis Anfang September kommen Urlaubs-sehnsüchte hochgekrochen. Doch man muss nicht wegfahren, um Freizeitgefühle zu erleben. Unter dem Motto „Sommer in der Stadt“ stellt Euch GAYCON eine Auswahl der queeren/ queer-freundlichen Freiluftoasen (in alphabetischer Reihenfolge) der Frankenmetropole vor. Probiert sie einfach mal aus!

#Partyticker

Montag 16. September:

18:00 Altstadtfest: Rosa Hüttenabend - Literaturhaus Hütten (Nr. 14, 14a, 14 / Insel Schütt)

Freitag 20. September:

Würzburg: 22:00 Gay.Volution - Zauberberg

Freitag 27. September:

20:00 Oktoberfest-Party - Pigalle (Pfeifergasse 2a) // 21:00 WarmUp POSE Party - Bar59 // 23:00 POSE - Glamour Queer Clubbing - Nachtkind Club

Samstag 28. September:

17:00 Oktoberfest - Live Musik mit Markus Brand - Gaststätte La Bas (Hallplatz 31) // 23:00 Pink Nugget - Golden Nugget Club

Bamberg: 22:00 Planet Pink - Sky

+++++++ Termine an info@gaycon.de

WiederEröffnungsParty - Bert´s Bar
Rosa Trachtennacht Teil 2 - Herbstvolksfest

#TV-TIPPS

+++ 16.09. ZDFNEO 00:15 Candice Renoir: Der Schein trügt - Krimi +++ 18.09. ARTE 22:40 Der Ornithologe - Spielfim +++ 19.09. NITRO 12:05 J.A.G. - Im Auftrag der Ehre: Aussage gegen Aussage - Krimi +++ 20.09. ARTE 14:10 Eine fantastische Frau - Spielfilm // 20:15 RTL Ninja Warrior Germany - Show +++ 21.09. ZDF INFO 15:45 Auf Verbrecherjagd - Blind für die Wahrheit - Doku // 20:15 MDR Starnacht aus der Wachau - Show +++

Rosa Trachtennacht Teil 1 - Herbstvolksfest
10 Jahre Bernd Schlagerparty - Literaturhaus

#Vorschau:

Oktober 2019

QueerArt #2 im Südpunkt Nürnberg

QueerArt #2

Vom 11. bis 31. Oktober 2019 findet die QueerArt Kunstausstellung mit Rahmenprogramm im Nürnberger Südpunkt (Pillenreuther Str. 147) statt. Zehn Künstler*innen aus ganz Deutschland werden ihre Werke ausstellen. Das Konzept der zweiten QueerArt beinhaltet eine Synthese zwischen Kunst und queerer LebensART eingebettet in ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Vernetzungstreffen und Performances. Alles zusammen ermöglicht eine ganzheitliche Erfahrung des Spektrums des AndersMenschSeins im Sinne von LSBTTIQ* (lesbisch, schwule, bisexuelle, transidente, intersexuelle und andere Menschen). Organisiert wird die Veranstaltung von Queer Franken in Kooperation mit Queer Culture Nürnberg e.V. und in Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg / KUF Südpunkt. QueerArt Vernissage am Freitag den 11. Oktober 2019 ab 18:00 Uhr im Südpunkt. Hier stehen auch die organisierenden und kunstschaffenden Menschen für Auskünfte oder einen Plausch zur Verfügung. Moderation Romy Eberlein. Musikalische Umrahmung mit Sambistas und Holger Edmaier. Über die weiteren Programmpunkte werden wir Euch jeweils zeitnah informieren.

#Mann des Monats:

GAYCON Titelmodel Torsten - September 2019 - Fotoshooting im Nürnberger Burggarten.

Unsere GAYCON Titelbilder sollen das selbstbewusste queere Stadtleben der Frankenmetropole widerspiegeln.  Von 18 bis 99 geben wir allen queeren Paaren (Beziehung, Freunde, Kumpels etc) oder Einzelpersonen aus der Region die Möglichkeit, einmal Titelpaar/ Person des Monats zu sein und jedes Jahr im April an der MR & MISS WAHL teilzunehmen. Das Outfit passen wir immer der Jahreszeit an.

Habt Ihr Lust, mal dabei zu sein? Bewerbt Euch mit Foto per E-Mail unter info@gaycon.de oder über gaycon.de Facebook

Vielen Dank an meine Freunde, die sich in Form eines Inserats bzw. einer Publikation an den Gestaltungskosten für diese Website beteiligen und sie damit ermöglichen!

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